Grüne Gentechnik: Immer mehr Probleme mit pestizidresistentem Unkraut…


Der nachfolgende Artikel zeigt, dass der Pestizidbedarf bei Einsatz “grüner Gentechnik” u.U. sogar eher steigen kann: das “Superunkraut” Amaranthus Palmeri ist zwischenzeitlich gegen Monsantos Roundup resistent und verbreitet sich schnell! Siehe z.B. auch den älteren Artikel “Die Wahrheit hinter den Gen-Pflanzen…“.

Gefunden bei derstandard.at:

Global 2000

Warnung vor “Superunkraut”

03. Februar 2010, 14:28

Erneute Kritik von der Umweltorganisation Global 2000 über die Aussaat von gentechnisch veränderter Baumwolle und Soja

Wien – Global 2000 kritisierte erneut die Aussaat von gentechnisch veränderter Baumwolle und Soja durch den Gentech-Konzern Monsanto in den USA. “Es werden immer mehr und stärkere Pestizide eingesetzt, um die Gentechpflanzen gegen mittlerweile resistent gewordene Unkräuter zu schützen”, sagte Umweltschützer Jens Karg.

Besonders schädlich sei das “Superunkraut” Amaranthus Palmeri, das gegen das Monsanto-Spritzmittel Roundup – das “Flaggschiff” der Produktpalette – resistent sei und sich schnell ausbreite. Es produziere mehr als doppelt so viele Samen wie andere Unkräuter und verursache erhebliche Ernteschäden.

Pestizideinsatz um 145.000 Tonnen gestiegen

“Noch vor wenigen Jahren konnte Amaranthus Palmeri mit nur einer Spritzung bekämpft werden. Heute müssen die Äcker sechs bis acht Giftduschen ausgesetzt werden”, berichtete Karg.

Im Gegensatz zu den Versprechungen der Gentechindustrie sei seit dem Anbau von Gentech-Pflanzen in den USA der Pestizideinsatz um 145.000 Tonnen gestiegen. Es würden sogar die Uralt-Gifte Paraquat und 2,4 D wieder eingesetzt, ein Stoff, der im Vietnamkrieg als “Agent Orange” verwendet worden sei.

In einem Bericht des US-Wissenschaftsjournal “Proceedings of the National Academy of Science” (PNAS) habe ein Monsanto-Mitarbeiter die Resistenz des Unkrauts Amaranthus Palmeri beschrieben. Den Bauern hingegen würde “weiterhin das Märchen von den mit Gentechnik erzeugten Wunderpflanzen erzählt”. Österreich müsse seinen Gentech-kritischen Kurs halten, forderten die Umweltschützer. (APA, red)

Deutschland: Landwirt machte bittere Erfahrungen mit “Grüner Gentechnik”


Totgeburten, Missbildungen und Umsatzeinbußen durch weniger Milch – am Ende die gesamte Zucht verloren und angeblich etliche Bestechungsversuche in Form von Geld und Immobilien => wenn da nur die Hälfte von stimmt… :-( Gefunden bei chiemgau-online.de (Hervorhebungen von mir hinzugefügt):

Landwirt hat alles verloren

Palling (zei). Rund 450 Menschen füllten den Saal beim „Michlwirt“ in Palling, als der hessische Landwirtschaftsmeister Gottfried Glöckner auf Einladung von Zivilcourage Traunstein und Berchtesgadener Land referierte. Er war einer der ersten Milchbauern Deutschlands, der sich mit dem Chemie-Giganten Syngenta einließ, gentechnisch veränderten Mais anbaute und verfütterte – und bittere Erfahrungen mit der „Grünen Gentechnik“ gemacht hat. Nun warnt er landauf landab vor den Gefahren.

Als ehemaliger „Vollgasbauer“ wollte er die Sache wissenschaftlich angehen und dokumentierte akribisch Erfahrungen bei Anbau und Verfütterung von Genmais. Zunächst war er von der mit dem Bazillus thuringensis (Bt) infizierten Maissorte, die er auch an seine Rinder verfütterte, begeistert. Die Pflanzen produzieren ständig ein Gift, das gegen den Maiszünzler-Schädling wirksam sein soll. Das Robert-Koch-Institut testete den Mais vor der Zulassung „nur einige Monate in fragwürdigen Fütterungsversuchen“, was Glöckner aber noch nicht ahnte. Er war begeistert, der Proteingehalt der Pflanzen war höher als bei herkömmlichen Sorten. Wie Glöckner später herausfand, konnten die Tiere jedoch lebenswichtige Nährstoffe über dieses Futter nicht aufschließen. Nach zweieinhalb Jahren kam es zu massiven Problemen: Seine hochprämierten Hochleistungs-Zuchtrinder bekamen Durchfall, eitrige Euter, gaben nur mehr vier bis sieben Liter Milch am Tag, es kam zu Totgeburten und Missbildungen bei Kälbchen und Todesfällen.

Er war ratlos, wurde doch von der TU Weihenstephan zugesichert, dass sich das Bt-Gift spätestens nach vier Wochen im Körper der Tiere abgegebaut hätte. Er schickte Futterproben zu Syngenta. Die meinten, es sei alles in Ordnung. Er wurde misstrauisch und ließ eigene Untersuchungen anstellen. Und wurde fündig: Im Futter, das 18 Monate gelagert war, fand sich das Toxin noch immer, auch in der Milch und in der Gülle.

Als er von Syngenta und den Wissenschaftlern keine Unterstützung bekam, wandte er sich an Greenpeace und – was ihn als CDU-Mann besonders hart ankam – an Verbraucherministerin Renate Künast (Grüne), der er eine Steilvorlage lieferte, um ein Verbot von Genpflanzen zu propagieren, so Glöckner.

Wie seine Nachforschungen ergaben, starben durch die BtMais-Fütterung die natürlichen Bakterien im Kuhmagen ab, die Rinder konnten nicht mehr verdauen, bekamen Durchfall und starben. Für Glöckner bedeutete das den „wirtschaftlichen Totalschaden“ – neben der psychischen Belastung. „Ich habe alles genetische Tiermaterial verloren, alle Zuchterfolge sind zunichte gemacht worden“, klagt er. Die Innereien der verendeten Tiere, die er zu Untersuchungen in ein Institut einschickte, seien verschwunden. Glöckner sieht darin eine Verquickung von Wissenschaft und Konzernen, wie auch im Vorfeld bereits an Untersuchungsergebnissen manipuliert wurde.

Glöckner, der im In- und Ausland von seinen Erfahrungen berichtet, bekam von Syngenta „Schadensersatz“ geboten – Geld und Immobilien, wenn er keine Vorträge mehr hält. Den Maulkorb ließ er sich aber nicht verpassen. Etliche Bestechungsversuche folgten, um ihn zum Schweigen zu bringen. Just zu diesem Zeitpunkt kam es auch zu einer Wende in seinem bis dahin problemlosen Scheidungsprozess: Seine Frau wechselte den Anwalt – und er wurde auf „Vergewaltigung in der Ehe“ verklagt. Was Glöckner als schlechten Scherz abtat, wurde ihm zum Verhängnis. Er wurde zu zwei Jahren Haft verurteilt. Der Gefängnisdirektor verriet ihm, dass in seinen Unterlagen der Eintrag „Gentechnikgegner“ stehe. Glöckner meint, dass er ruhiggestellt werden sollte – „ein ungeheuerlicher Vorgang in einer Demokratie“. Wegen guter Führung wurde Glöckner vorzeitig entlassen, zwischenzeitlich werden jedoch sein Hof und seine Gründe versteigert.

Sein größter Wunsch ist es nun, seinen Hof wieder bewirtschaften zu können. Er fordert, dass Genpflanzen, wenn überhaupt, nur nach dem Arzneimittelrecht zugelassen werden sollten. Im Agro-Gentechnikbereich werde viel vertuscht und manipuliert. Derzeit werde wieder versucht, die Agro-Gentechnik durch die Hintertür zu etablieren. Die Politik sei bei der Einschätzung der Sachlage überfordert und höre zu viel auf Lobbyisten der Chemieindustrie statt auf Volkes Wille. Deutschland solle das Einfallstor der Agro-Gentechnik für Europa werden, ist sich Glöckner sicher. „Wir haben Verantwortung für unsere Kinder und würden den Politikern gerne Hilfestellung geben“, meint er.

80 Prozent der Bürger in Deutschland wollten keinen Anbau von Gen-Pflanzen, jedoch agiere die Koalition von CDU und FDP und EU-Lobbyisten gegen Volkes Willen. „Es geht ja dabei um sehr viel Geld“, meinte er. Mitorganisator Georg Planthaler von Zivilcourage appellierte an die zahlreichen Bauern im Saal, konsequent kein Kraftfutter mit Gensoja mehr zu kaufen. Sein Kollege Bernhard Hennes möchte Widerstandskräfte bündeln und Bauern sowie Lebensmittel-Verarbeiter dazu überreden, ohne AgroGentechnik zu produzieren. Futtermittelhändler Josef Feilmeier meinte, dass es genug heimische Futtermittel gäbe, riet aber von Raps als Alternative ab, da dies eine chemieintensive Pflanze sei und riet dagegen zum Sojaanbau, natürlich ohne GVO.

Zum Thema ist frisch ein Buch erschienen, in der auch die Geschichte Glöckners beschrieben wird: Klaus Faißner, „Wirbelsturm und Flächenbrand – das Ende der Gentechnik“, ISBN: 978-3-200-01749-8.

Deutschland: Mais Mon 810 bleibt im Labor


Gefunden bei fr-online.de:

Anbau von Gentechnik-Pflanzen

Mais Mon 810 bleibt im Labor

Von Stephan Börnecke

Der Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen dürfte 2010 trotz veränderter Regierungspolitik womöglich auf einige wenige wissenschaftliche Freisetzungsversuche beschränkt bleiben. Die Aussaat des gentechnisch modifizierten Mais Mon 810 bleibt nach dem vorübergehenden Anbauverbot von Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) im April weiter ausgesetzt. Auch die Zulassung anderer Pflanzen zur kommerziellen Aussaat ist nach Angaben des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit nicht in Sicht, bestätigt ein Sprecher der FR.

Laut Koalitionsvertrag will die Agrarministerin zunächst den Ausgang einer Klage des Monsanto-Konzerns gegen das Anbauverbot abwarten. Doch selbst für den Fall, dass das Verwaltungsgericht Braunschweig im Februar die Aufhebung des Anbauverbots verlangt, könnte dies für viele Bauern zu spät kommen: Die Aussaat, die Mitte/Ende April beginnt, muss drei Monate vorher beim Standortregister des Bundesamtes gemeldet werden. Das hat bis gestern genau ein Landwirt getan. Ohnehin nimmt das BVL solche Meldungen unter Verweis auf die „Ruhensanordnung der Anbaugenehmigung“ derzeit nur unter Vorbehalt an. In den Jahren zuvor hatten jeweils rund 200 Landwirte Flächen von insgesamt mehr als 3000 Hektar gemeldet.

In Frankreich, wo Mon 810 seit Januar verboten ist, hatte kurz vor Weihnachten der Biotechnologierat HCB (Haute Conseil des Biotechnologies) weitere Forschungen zum Gen-Mais Mon 810 verlangt. Der einzige derzeit in Europa anbaubare Gen-Mais müsse genauer auf seine Umweltauswirkungen getestet werden. Der von der Regierung für eine Stellungnahme beauftragte Rat (er war aufgrund eines neuen Gentechnikgesetzes gegründet worden) schrieb, dabei gehe es etwa um den Effekt auf Insekten, die vom Gift des Gen-Mais eigentlich nicht getroffen werden sollen. Genauer unter die Lupe genommen werden müsse auch, welche Resistenzen bei Schädlingen durch den Anbau der Mais-Variante entstehen. Dafür sei ein längerfristig angelegtes Monitoring nötig.

Laut Reuters war zuvor eine Abstimmung in einem Unterausschuss des HCB über Nutzen und Schaden des Gen-Mais 14 zu 11 gegen die Laborsaat ausgegangen: Sie berge mehr Nach- als Vorteile. In dem Gremium sind Landwirte, Umweltschützer, Wissenschaftler und Politiker vertreten. Eine gleichzeitig vor Weihnachten publizierte Beurteilung der französischen Lebensmittelbehörde AFSSA hingegen misst dem Gen-Mais keine Probleme für die menschliche Gesundheit bei.

Literaturtipps

Genfood – Nein danke! heißt ein „aktuelles Handbuch“, das der Journalist Max Annas und der Imker Jürgen Binder geschrieben haben. Das Vorwort kommt von Sterne-Koch Vincent Klink. Das Buch gibt Einblick in eine aus Sicht der Autoren fragwürdige Technik, die, so Klink, „nicht zum Wohle der Allgemeinheit gemacht“ wurde. Auf allein 90 Seiten beschreiben die Autoren 26 Lebensmittel, in denen die Gentechnik schon steckt oder bald stecken könnte. Verlag Orange-Press, 208 Seiten, 15 Euro.

Sicherheitsrisiko Gentechnik – so lautet der Titel eines Buchs der Chemiker Susan Bardocz und Arpad Pusztai, das nicht nur den wissenschaftlichen Kontext beleuchtet, sondern sich den sich daran anknüpfenden Ernährungsfragen widmet. Im Grußwort meint Hans R. Herren, Träger des Welternährunsgpreises: Die Gentechnik kann den Hunger der Welt nicht bekämpfen. Erschienen bei Orange-Press, 180 Seiten, 15 Euro.

Wirbelsturm und Flächenbrand beschreibt „das Ende der Gentechnik“, wie Autor und Umweltsystemwissenschaftler Klaus Faißner im Untertitel verspricht. Faißner beschreibt die Folgen der Gentechnik für Bauern und Verbraucher. Erschienen im Selbstverlag, 160 Seiten, 14 Euro, www.info@gentechnikverbot.at

Studie: Gentechnik erhöht Pestizidverbrauch


Gefunden bei ngo-online.de:

„Auswegloser Kampf der Bauern“

Gentechnik erhöht laut Studie Pestizidverbrauch

20. November 2009

[ngo/pte] Verheißungsvoll waren die Versprechen der „Grünen Gentechnologie“, kaum mehr Pestizide verwenden zu müssen. Nun zeichnet ein neuer Bericht allerdings ein völlig anderes Bild. Seit dem Beginn des kommerziellen Anbaus von Gentech-Pflanzen wurden den Angaben zufolge in den USA rund 145 Millionen Kilogramm mehr Pestizide ausgebracht als zuvor.

Ein Grund dafür sei der rasante Anstieg an Unkräutern, die gegen die Totalherbizide immun seien. Die Studie von Charles Benbrook vom Organic Center basiert auf Daten des US-Department of Agriculture.

„Die US-Gentech-Landwirte versuchen nun mit noch mehr Chemie den Unkräutern Herr zu werden“, meint Global 2000-Gentechnik-Experte Werner Müller. „In ihrem ausweglosen Kampf greifen die Bauern zu immer brutaleren Methoden gegen Umwelt und letztlich auch den Menschen“, meint der Experte. So setzten sie „Uralt-Gifte“ wie Paraquat und 2,4D – einen Stoff der im Vietnamkrieg als „Agent Orange“ verwendet wurde – ein.

Nur geringe Insektizid-Einsparungen bei Baumwolle und Mais

Geringe Einsparungen von Insektiziden konnten laut Studie bei Baumwolle und Mais erreicht werden. „Doch auch hier dürfte sich das Blatt bald wenden, sobald die ersten resistenten Insekten die Maisfelder treffen“, vermutet Müller. Kritiker hätten bereits von Beginn an angezweifelt, dass es Einsparungen im Pestizidbereich geben werde. „Außerdem befürchtete man schon damals, dass es bald resistente Unkräuter und Insekten geben wird.“

Der enorme Anstieg des Pestizideinsatzes in den USA hätte selbst die Kritiker überrascht, so Müller. „Man sieht, wie verzweifelt die US-Landwirte gegen die Folgen der Gentechnik ankämpfen.“ Es sei davon auszugehen, dass die „grüne Gentechnik“ auch in den USA bereits ihren Höhepunkt überschritten habe. „Angesichts des dramatischen Anstiegs von Problemunkräutern kehren immer mehr US-Landwirte der Gentechnik den Rücken.“

Gentech-Unternehmen drängen stärker nach Europa

„Warum man in Europa immer noch auf die Einführung der Gentechnik drängt, ist angesichts dieser Zahlen völlig unverständlich“, meint Müller. Europa sollte weniger in Gentechforschung und vielmehr in den Biolandbau investieren, „damit solche Katastrophen wie der Einsatz von Agent Orange gegen Unkräuter erspart bleibt“.

Grüne Gentechnik: Der Bluff der US-Agrarindustrie


Gefunden bei fr-online.de:

Grüne Gentechnik

Der Bluff der US-Agrarindustrie

Argentinien und Brasilien ernten weniger Soja – und die USA fallen als Lieferant aus, weil sie Gen-Varianten verwenden, die in Deutschland verboten sind. Müssen wir also unsere Vorgaben lockern? Bloß nicht, warnen Umweltverbände.

VON STEPHAN BÖRNECKE

Ein Bündnis aus 19 Umwelt- und Landbauorganisationen hat die EU-Kommission und die Bundesregierung aufgefordert, die sogenannte Nulltoleranz für hierzulande nicht zugelassene Gen-Pflanzen unangetastet zu lassen.

Sollte der Staat für eine Öffnung der Futtermittel-Märkte für Soja oder Mais mit gentechnisch veränderten Pflanzen, die in der EU keine Umwelt- und Gesundheitsprüfung durchlaufen haben, plädieren, opfere er „die Schutzinteressen seiner Bürger den Profitinteressen bestimmter Wirtschaftszweige“.

Eine der Frankfurter Rundschau vorliegende Studie der 19 Organisationen, die maßgeblich vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) sowie der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) erarbeitet wurde, benennt, wo diese Wirtschaftskreise herkommen: aus den USA.

Denn der dortigen Agrarindustrie lastet der Bericht in den vergangenen Monaten verbreitete Horrorszenarien an, wonach die europäischen Schweine- oder Geflügelzüchter wegen der EU-Nulltoleranz-Politik in diesem Winter nicht mehr ausreichend mit Soja versorgt und die Futtermittelpreise heftig steigen würden. Für diese Behauptung gebe es keine Belege, so die Verfasserinnen Heike Moldenhauer vom BUND und Annemarie Volling von der AbL.

Im Hintergrund steht die seit Monaten gestreute Botschaft etwa des Bauernverbands, vor allem aber des deutschen „Grain Clubs“ (ihm gehören unter anderem Verbände von Raiffeisen, Mühlen sowie Getreidehändlern an), wonach die Sojaimporte aus den Hauptversorgerländern Argentinien und Brasilien wegen massiver Ernteeinbrüche stockten.

Soja müsse deshalb vermehrt aus den USA eingeführt werden. In den USA aber sind Gen-Varianten zugelassen, die in der EU tabu sind, weil ihnen die Zulassung der Behörden fehlt. Weil die EU beim Import die Nulltoleranz beherzige, die keinerlei Verunreinigung duldet, werde der Soja-Import aus den USA aber „praktisch verhindert“, schrieben die Lobbyverbände im August an Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU).

Die Umweltorganisationen aber halten diese Behauptung für falsch und weisen das anhand offizieller Berichte nach: So seien zwar in der EU über das Alarmsystem in diesem Jahr 27 Fälle bekannt geworden, in denen aus den USA stammendes, mit illegalen Partikeln verunreinigtes Futter entdeckt und zurückgeschickt wurde.

Das habe aber Chargen von allenfalls 66 000 Tonnen Soja betroffen, während Soja-Lieferungen aus Argentinien und Brasilien frei von Beanstandungen waren. Das aber sind Mini-Mengen, denn die EU importiert im Jahr 32 Millionen Tonnen Soja.

Auch der Fachinformationsdienst Agra-Europe konstatierte Mitte Oktober: Die Nulltoleranzpolitik der EU finde bislang „keinen Niederschlag in den US-Statistiken“. Die Behauptung, so die Autorinnen, wonach die Importe „praktisch zum Erliegen“ gekommen seien, stimme also nicht.

Das Bündnis der Umweltorganisationen, neben BUND und AbL tragen etwa Greenpeace, der Nabu, der Ökologische Ärztebund oder Bioland den Bericht, verlangen von den USA, sich an den Vorbildern Argentinien und Brasilien zu orientieren: Beide Länder hätten die Anbauzulassungen neuer Gen-Pflanzen an den EU-Markt angepasst.

Zudem sollten die USA Trennsysteme, wie sie etwa in Brasilien für gentechnisch-freie Ware installiert wurden, aufbauen, statt von der EU eine Aufweichung ihrer Politik zu verlangen. Dies schließlich gelte umgekehrt auch: Die USA selbst würden Gen-Saaten, die dort nicht zugelassen seien, ebenfalls nicht ins Land lassen. Auch in den USA würde mithin eine Nulltoleranz praktiziert.

China setzt auf gentechnisch veränderten Reis!


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Reiche Ernte

China tischt Gen-Reis auf

Von Bernhard Bartsch

Peking. China setzt bei der Lösung seiner Ernährungsprobleme auf gentechnisch veränderten Reis. Nach Angaben chinesischer Wissenschaftler hat die Volksrepublik als erstes Land den Großanbau des umstrittenen Laborgetreides genehmigt.

Zwei Mitglieder des Komitees für Biosicherheit des chinesischen Landwirtschaftsministeriums sagten der Nachrichtenagentur Reuters, der von chinesischen Experten entwickelte schädlingsresistente „Bt-Reis“ solle in zwei bis drei Jahren in großem Stil produziert werden. Zuvor müssten allerdings noch Anbautests durchgeführt werden. Eine offizielle Erklärung der Zulassungsbehörde steht noch aus.

China ist der weltweit größte Produzent und Konsument von Reis. In den vergangenen zwölf Monaten ernteten die chinesischen Bauern 60 Millionen Tonnen. Nur rund ein Prozent davon wurde exportiert.

Produktivität im Blick

Durch den Anbau von Gen-Reis will die Volksrepublik ihr knappes Ackerland produktiver einsetzen. Die Chinesen machen 22 Prozent der Weltbevölkerung aus, verfügen aber nur über sieben Prozent des weltweiten Ackerlands, das aufgrund grassierender Erosion und Umweltverschmutzung sogar noch beständig abnimmt. Der Bt-Reis, der von Wissenschaftlern der Huazhong Landwirtschaftsuniversität im zentralchinesischen Wuhan entwickelt wurde, soll einen um acht Prozent höheren Ertrag bringen als herkömmliche Sorten und den Einsatz von Pestiziden um 80 Prozent senken.

Einem Bericht der Chinesischen Akademie für Agrarwissenschaften in Peking zufolge geben die Reisbauern des asiatischen Landes jährlich rund 500 Millionen Euro für Schädlingsbekämpfungsmittel aus.

Die Ausfuhr von Gen-Reis würde in vielen Ländern strengste Prüfungen notwendig machen. Die EU-Kommission hatte China bereits im Sommer zu verstärkten Kontrollen bei exportierten Reisprodukten wie Babynahrung aufgefordert. Dahinter steckt die Befürchtung, dass in den Lieferungen Spuren der ebenfalls gentechnisch veränderten Reissorte „Bt-63″ enthalten sein könnten, die in der EU nicht zugelassen ist. Allerdings wird Bt-63 in China noch nicht in großem Maßstab angepflanzt. In der vergangenen Woche hatte China mit einer Sorte Gen-Mais erstmals den Anbau eines Getreides mit veränderten Erbanlagen erlaubt. Die Mais-Sorte, die einen hohen Phosphorgehalt hat, soll als Schweinefutter eingesetzt werden. Auch die Weizenproduktion soll künftig durch Gensaatgut erhöht werden. Schon seit Jahren werden in China Gen-Tomaten, -Papaya, -Pfeffer und -Baumwolle produziert.

Chinas Biotech-Engagement ist Teil einer breit angelegten Strategie, mit der die Volksrepublik ihre Unabhängigkeit sichern will. Anfang des Jahres hatte Peking angekündigt, seine Investitionen in die Entwicklung von Gen-Getreide in den kommenden zwölf Jahren um rund zwei Milliarden Euro aufstocken zu wollen. China ist darauf bedacht, bei der Entwicklung von Saatgut technisch selbstständig zu sein. Internationale Unternehmen spielen auf dem chinesischen Markt deshalb kaum eine Rolle.

Allerdings erklärte der US-amerikanische Konzern Monsanto Anfang des Monats, seine Kooperation mit chinesischen Forschern ausbauen und in Peking ein neues Entwicklungszentrum bauen zu wollen. Monsantos Schweizer Konkurrent Syngenta ist in China ebenfalls aktiv.

Gentechnik bringt Pflanzengift ins Essen


Siehe auch „USA: Monsanto unter Druck wegen Roundup“ – und die Filmempfehlung zur Arte-Doku „Monsanto: Mit Gift und Genen„.

Gefunden bei fr-online.de:

US-Untersuchung

Gentechnik bringt Pflanzengift ins Essen

Von Stephan Börnecke

Frankfurt a.M. Der Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen hat den Verbrauch von Spritzmitteln nicht, wie von den Agrarkonzernen versprochen, gesenkt. Stattdessen hat er – zumindest in den USA – zu einem deutlichen Anstieg der Verwendung von Unkrautvertilgern geführt.

Das behauptet eine von den Nichtregierungsorganisationen Organic Center, Union for Concerned Scientists und Center for Food Safety veröffentlichte Studie des US-Agrarökonomen Charles Benbrook.

Dessen Report basiert auf den offiziellen Zahlen der US-amerikanischen Landwirtschaftsbehörde sowie deren Statistik-Service NASS. Benbrook untersuchte die Veränderung im Pflanzenschutzmittelverbrauch seit der Markteinführung herbizidresistenter Gen-Pflanzen im Jahre 1996. Seither sei die Menge der ausgebrachten Herbizide um 175 Millionen Kilogramm gestiegen.

Während auf konventionell bewirtschafteten Feldern sich der Herbizideinsatz dank verbesserter Wirkstoffe auf 220 Gramm pro Acre (4046 Quadratmeter) mehr als halbierte, verdoppelte er sich im Gen-Soja-Anbau auf 750 Gramm.

Vor allem für die beiden letzten Untersuchungszeiträume, die Jahre 2007 und 2008, verzeichnet die Untersuchung einen Anstieg des Pestizidverbrauchs um 46 Prozent auf den Gen-Äckern. Hauptgrund: Die Unkräuter werden resistent gegen das Herbizid mit dem Wirkstoff Glyphosat (Handelsname: Roundup Ready), das sie eigentlich vernichten sollte. Die Folge: Die Farmer erhöhen die Dosis.

Nach Benbrook haben sich vor allem im Süden der USA inzwischen zahlreiche resistente Unkräuter ausgebreitet. Entdeckt worden waren sie zunächst 2000 in Delaware. Dass auch die Hauptakteure, die Agromultis Monsanto und Syngenta, das Resistenzproblem inzwischen mit Sorge betrachteten, belege der Report anhand der Empfehlungen der Hersteller: So würde Monsanto die Farmer mit eingeräumten Rabatten inzwischen sogar zu anders wirkenden Herbiziden von Konkurrenzfirmen drängen.

Ein Ende der Entwicklung sei nicht abzusehen: Da es sich bei den herbizidresistenten Pflanzen um „Brot-und-Butter-Produkte“ handle, würden die Firmen weiter in dieser Richtung investieren, und zwar in Pflanzen, die höheren Dosen von Roundup oder anderer Herbizide standhielten. Benbrook kommentiert denn auch, die Antwort der Industrie auf das Dilemma sei: „Mehr vom selben.“

Während sich Monsanto-Offizielle laut Reuters zu dem Bericht nicht äußern wollten, verwies ein Sprecher der amerikanischen Biotechnology Industry Organization auf die Popularität der Gen-Saaten in den USA. Dies belege, dass der Nutzen der Saaten mögliche Nachteile mehr als ausgleichen würde.

Der Informationsdienst Transgen, geleitet vom Gentechnik-Experten Gerd Spelsberg, verweist allerdings noch auf eine weitere Untersuchung, und zwar auf die des britischen Agrarökonomen Graham Brooks. Dieser war genau zum umgekehrten Resultat gekommen.

Allerdings hatte der Wissenschaftler nicht die USA allein betrachtet, sondern die weltweite Entwicklung und auch einen anderen methodischen Ansatz gewählt: Brooks habe, so Transgen, ermittelt, dass als Folge des Anbaus von Gen-Pflanzen zwischen 1996 und 2007 weltweit der Einsatz von Herbiziden rückläufig war. Danach seien global etwa 200 Millionen Kilogramm weniger ausgebracht worden.

Nach Brooks wurden bei Soja als Folge des Anbaus herbizidresistenter Sorten an dem Niveau von 1996 gemessen 4,6 Prozent weniger aktive Herbizid-Wirkstoffe ausgebracht, bei Baumwolle 15 Prozent, Benbrook hatte – für die USA – genau das Gegenteil ermittelt.

Sowohl die Benbrook-Studie als auch die Brooks-Untersuchung zeigen aber, dass bei Insekten-resistenten Pflanzen wie dem auch in Europa teilweise zugelassenen Bt-Mais, der sein Insektengift permanent selbst produziert, der sonstige Verbrauch von Insektiziden reduziert wurde.

Die Kritiker aus den USA sehen sich dennoch bestätigt. Der Anstieg des Pestizid-Verbrauchs, die „epidemische“ Ausbreitung von Unkräutern, die gegen Roundup Ready resistent werden, und die Zunahme von chemischen Resten in der Nahrung zeigt nach Ansicht von Bill Freese, Analyst des Centers for Food Safety: „Das mag für die Biotech-Firmen profitabel sein. Aber das bedeutet schlechte Nachrichten für Farmer, die menschliche Gesundheit und die Umwelt.“

Ähnlich der österreichische Sprecher von Greenpeace, Philipp Strohm: „Der Bericht straft die Biotech-Lobby Lügen“ und stelle eine „deutliche Warnung an die EU dar“, sich nicht weiter auf das Gentechnik-Experiment einzulassen.

Gentechnik in den USA

Die Landwirte in den USA setzen unvermindert auf die Grüne Gentechnik. Bei Mais, Soja und Baumwolle sind in diesem Jahr 88 Prozent des in den USA ausgebrachten Saatguts gentechnisch verändert, drei Prozent mehr als im Vorjahr.

Der Anteil an Gen-Sorten ist bei Mais und Baumwolle noch einmal gestiegen, bei Soja ist er leicht auf nunmehr 91 Prozent gesunken. Die Anbauflächen mit Gen-Zuckerrüben haben sich in einem Jahr um etwa ein Drittel vergrößert.

Deutschland: Regierungsangestellte erhalten anderen Schweinegrippe-Impfstoff


Ein wenig OT, aber nicht minder interessant – gefunden bei handelsblatt.com (allerdings: der von der Regierung verwendete Baxter-Impfstoff hatte auch keinen „guten“ Start):

17.10.2009, 14:37 Uhr

Schweinegrippe

Regierung erhält anderen Impfstoff

Bei der Schweinegrippe-Prävention sollen die Regierungsangestellten einen anderen Impfstoff erhalten, als der Rest der Bevölkerung. Der Unterschied: Im massenhaft bestellten allgemeinen Impfstoff befinden sich Verstärker, deren Verträglichkeit umstritten ist.

HB BERLIN. Die Kanzlerin, die Mitglieder ihres Kabinetts und Beamte der Ministerien sowie nachgeordneter Behörden sollen mit einem Impfstoff ohne Verstärker vor Schweinegrippe geschützt werden. „Wir haben 200 000 Dosen des nicht-adjuvantierten Impfstoffes Celvapan der Firma Baxter gekauft“, sagte Christoph Hübner, Sprecher des Bundesinnenministeriums, dem Nachrichtenmagazin „Spiegel“ laut Vorabbericht vom Samstag. Auch die Bundeswehr soll einen Impfstoff ohne Zusatz- und Konservierungsstoffe bekommen.

Anders als das Präparat von GlaxoSmithKline (GSK), das ab dieser Woche in 50 Millionen Dosen für die Bevölkerung ausgegeben wird, enthält der Baxter-Impfstoff keinen Wirkverstärker (“Adjuvans“) und wird den für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung zuständigen Staatsdienern gespritzt. Dazu zählen auch die Mitarbeiter des für die Impfstoffzulassung zuständigen Paul-Ehrlich- Instituts, das vergangene Woche wiederholt seine Entscheidung verteidigt hat, der Bevölkerung die GSK-Vakzine zu beschaffen.

Für den Vorsitzenden der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, Wolf-Dieter Ludwig, ist das „ein Skandal“, der den Menschen kaum zu vermitteln sei. „Wir sind unglücklich über diese Impfkampagne“, sagte Ludwig. Sie werfe zahlreiche Probleme auf, ihr Nutzen sei ungewiss: „Die Gesundheitsbehörden sind auf eine Kampagne der Pharmakonzerne hereingefallen, die mit einer vermeintlichen Bedrohung schlichtweg Geld verdienen wollten.“

Weil der GSK-Impfstoff nicht an Schwangeren getestet wurde, muss auch für sie kurzfristig nicht-adjuvantierter Impfstoff besorgt werden. Der zuständige Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium, Klaus Theo Schröder, sagte dem Magazin: „Es laufen derzeit Gespräche mit Herstellern sowie den Gesundheitsministerien in Frankreich und den USA, mit dem Ziel, für Schwangere auch nicht-adjuvantierten Impfstoff zu beschaffen.“

Offene Rebellion herrscht laut „Spiegel“ unter Allgemeinmedizinern und Kinderärzten. Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin, Michael Kochen, rät den deutschen Hausärzten von der Impfung ab. „Das Schadensrisiko überwiegt den Nutzen“, sagte der Göttinger Professor.

Wolfram Hartmann, Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, wirft der Bundesregierung „wissenschaftliche Falschaussagen“ vor. Wie bei Schwangeren so gelte auch für Kinder unter drei Jahren: „Der Impfstoff ist an ihnen noch überhaupt nicht getestet, deshalb ist das Risiko einfach zu groß, ihn jetzt bedenkenlos einzusetzen.“

Kinder hätten ein Immunsystem, das zu Überreaktionen neige. Genau die aber könnten durch den Zusatz von Wirkverstärkern ausgelöst werden. Zusätzlich sei dem Impfstoff auch noch ein Quecksilber-haltiger Konservierungsstoff beigefügt. „Das Zeug hat man in heutigen Impfstoffen für Kleinkinder bewusst herausgehalten“, sagte Hartmann.

In der EU sind bislang drei Impfstoffe gegen die Schweinegrippe oder Neue Grippe (H1N1) zugelassen: Focetria, Pandemrix und Celvapan. Focetria und Pandemrix enthalten verstärkende Zusatzstoffe, sogenannte Adjuvanzien. Allerdings kommt Celvapan nur deshalb ohne die umstrittenen Verstärker aus, weil es eine größere Konzentration an inaktivierten Schweinegrippe-Viren enthält als die beiden anderen Impfstoffe.

Europa: Kommt die „Grüne Gentechnik“ jetzt durch die Hintertür?


Gefunden bei fr-online.de:

Gen-Planzen in der EU

Eine vergiftete Nettigkeit

Von Stephan Börnecke

Pläne von EU-Kommissionspräsident José Manual Barroso, den EU-Mitgliedsstaaten die Entscheidung über den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen in eigener Verantwortung zu überlassen, stoßen auf Kritik. Was als „Nettigkeit“ des Kommissionspräsidenten daher zu kommen scheint, sei in Wahrheit „vergiftet“, ahnt der Grünen-Europaabgeordnete, Martin Häusling.

Er, wie auch die Gentechnik-Expertin des BUND, Heike Moldenhauer, befürchten, dass der von Agrarkommissarin Mariann Fischer Boel unterstützte Barroso-Plan den Einzug der grünen Gentechnik auf Europas Feldern sogar noch beschleunigen könnte.

Im Hickhack um die Möglichkeit der EU-Länder, die Gentechnik aus dem eigenen Land fernzuhalten, hatten die Niederlande einen Kompromiss vorgelegt. Deren pro Gentechnik eingestellte Agrarministerin Gerda Verburg wollte ihre Gentechnik-kritischen Kollegen besänftigen, wenn die EU künftig nationale Anbauverbote tolerieren würde.

Denn bisher haben die Länder einen nur kleinen Spielraum, um gentechnisch modifizierte, in der EU aber zugelassene Gen-Pflanzen von den heimischen Äckern zu verbannen. So fußt das deutsche Verbot des Gen-Mais Mon 810 auf der Schutzklausel der Freisetzungsrichtlinie, wonach die Mitgliedstaaten ein Gen-Konstrukt verbieten können, wenn neue Risiken bekannt wurden. Solche Verbote stehen oft auf dünnem Eis.

Die Freigabe der Entscheidung über den Anbau könnte das rechtliche Dilemma lösen, aber eben nur auf den ersten Blick. Denn es drohe, so Häusling, ein europäischer „Flickenteppich“. Schon heute gelinge es nur mit Mühe, die Soja-Warenströme aus Südamerika sauber zu trennen, in gentechnische und konventionelle Ware.

Rücke die EU vom einheitlichen Vorgehen ab, würden die Fälle von Vermischung zunehmen und Europa bald unter dem „Druck der Ereignisse“ als Bastion gegen die Gentechnik fallen. Damit gehe die „Strategie der Konzerne“ auf.

Häusling und Moldenhauer erwarten zudem, dass mit der Freigabe auch die Zulassungsstandards in der EU absinken: Bisher fehlt in der EU häufig bei der Entscheidung über die Zulassung einer Gen-Pflanze die qualifizierte Mehrheit – die Staaten blockieren sich gegenseitig. Beide Kritiker vermuten, dass künftig selbst Gentechnik-kritische Länder Zulassungen häufiger durchwinken würden, da sie im Heimatland ein Verbot aussprechen könnten.

Problematisch sei der Vorschlag überdies, da bei jedem Regierungswechsel über den Anbau neu entschieden werden könnte und die Bundesländer (von ihnen ist nur Bayern eindeutig gegen Gentechnik positioniert), nicht aber der Bund zuständig sind. Damit, so Häusling, „droht ein völliges Chaos“.