Deutschland: Ostdeutsche Wohnungsbaugesellschaften mit Kreditproblemen

Süß find ich ja die Aussage, “dass die Banken nicht berücksichtigen, dass es bisher kaum Insolvenzen von Wohnungsbaugesellschaften gab”. Das hat der Herr Schneider durchaus richtig formuliert… ;-) Gefunden bei mittelstand-nachrichten.de:

Ostdeutsche Wohnungsbaugesellschaften mit Kreditproblemen

Halle. Immer mehr ostdeutsche Wohnungsbaugesellschaften haben Probleme, Kredite von internationalen Banken zu bekommen. Das berichtet der Verband der Wohnungswirtschaft in Sachsen.

Direktor Siegfried Schneider sagte dem Rundfunksender MDR INFO am Montag, das Kreditgeschäft sei viel komplizierter geworden. «Infolge der Finanzkrise übertragen viele internationale Banken die Erfahrungen aus dem US-Geschäft auf den deutschen Immobilienmarkt.» Sie bezweifelten die Kreditwürdigkeit vieler ostdeutscher Wohnungsunternehmen, weil diese häufig verschuldet seien und einen hohen Leerstand aufwiesen. Deswegen hätten alle 130 Verbandsmitglieder die Erfahrung gemacht, dass manche Finanzinstitute ihnen keine Kredite gewährten.

«Die Banken berücksichtigen aber nicht, dass es bisher kaum Insolvenzen von Wohnungsbaugesellschaften gegeben hat», gab Schneider zu bedenken. Auch seien die Mieter zuverlässiger geworden und hätten kaum noch Mietschulden. «Die Wohnungsunternehmen sind nach deutschem Verhältnis stabil aufgestellt. Die internationalen Banken verstehen möglicherweise viel von Aktien, aber nichts vom deutschen Immobiliengeschäft.»


Schweiz: Droht Bankrott durch Osteuropa-Kredite?

Das Thema Osteuropa war letztes Jahr schon öfter mal auf der Tagesordnung (da am Ende hauptsächlich in Verbindung mit der BayernLB), aber dann wurde es relativ ruhig um dieses Issue… Jetzt also mal wieder ein Artikel, in dem es hauptsächlich um die Exposures schweizer Banken in Osteuropa geht… Gefunden bei tagesanzeiger.ch:

«Der Schweiz droht der Bankrott»

Interview: Claudio Habicht Aktualisiert am 17.03.2009

Schweizer Banken haben Milliardenkredite nach Osteuropa vergeben – nun können die Kunden die Gelder nicht zurückzahlen. Der Schweiz drohe das Schicksal Islands, sagt Wirtschaftsexperte Artur P. Schmidt.

In Ländern wie Polen, Ungarn und Kroatien ist der Franken zur wichtigen Fremdwährung geworden. Tausende Haushalte und Kleinfirmen nahmen ihre Kredite wegen tieferen Zinsen in Franken auf, und nicht in den Landeswährungen Zloty, Forint oder Kuna. In Ungarn sind 31 Prozent aller Kredite in der Schweizer Währung ausgestellt, bei den privaten Haushaltskrediten sind es fast 60 Prozent.

Kreditnehmer in Nöten

Nun hat die Finanzkrise die Ära der günstigen Kredite beendet: Die Ostwährungen sacken ab. Ende September musste man für 100 polnische Zloty noch 46 Franken bezahlen, heute sind es 30 Franken. Das heisst: Immer mehr Kreditnehmer kriegen Probleme mit den Zinsen und bei der Abzahlung. Die Frage ist also, wie sich das auf den Schweizer Finanzplatz auswirkt. Einer, der für die Schweiz schwarzsieht, ist der Wirtschaftsexperte Artur P. Schmidt*: Er glaubt, dass die Schweizer Währung wegen der Frankenkredite in Osteuropa in Gefahr ist.

In Polen, Ungarn und Kroatien ist der Schweizer Franken zur wichtigen Fremdwährung geworden – sozusagen zum Dollar Osteuropas. Tausende Haushalte und Unternehmen haben Franken-Kredite aufgenommen. Warum?

Das rasante Wachstum in vielen Ländern Osteuropas wurde durch Kredite in Schweizer Franken angekurbelt. Schweizerische Banken und Offshore-Institute haben den dortigen Banken Franken geliehen, die diese an ihre Kunden weitergaben. Die Kredite waren attraktiv, weil die Kreditnehmer viel tiefere Zinsen zahlen mussten als bei Krediten in der jeweiligen Landeswährung.

Nun ist dieses System ins Wanken gekommen.

Ja, das System hat nur so lange funktioniert, wie die Wechselkurse zwischen Franken und diesen Währungen einigermassen stabil waren. Das ist aber zurzeit nicht mehr der Fall: So haben der ungarische Forint und der polnische Zloty in den letzten Wochen gegenüber dem Franken über ein Drittel an Wert verloren. Wegen der Abwertungen der Landeswährungen haben sich die Schulden gegenüber der Schweiz um mehr als einen Drittel gesteigert. Viele der osteuropäischen Länder haben ernste Zahlungsschwierigkeiten und stehen quasi vor dem Staatsbankrott.

Was bedeutet das für die Schweiz?

Es ist anzunehmen, dass ein beträchtlicher Teil der insgesamt 200 Milliarden Dollar Osteuropa-Kredite in Schweizer Franken ausgestellt wurden. Gemäss einem Bericht der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich sind weltweit Frankenkredite im Gegenwert von rund 675 Milliarden Dollar im Umlauf – davon wurden etwa 150 Milliarden direkt von der Schweiz, 80 Milliarden von Grossbritannien sowie rund 430 Milliarden Dollar über Offshore-Finanzzentren vergeben. Wie viele dieser Kredite faul sind, ist nicht bekannt. Doch schon wenn die Ausfallrate 20 Prozent beträgt, würden die Banken viel Geld verlieren.

Muss nun der Bund eingreifen?

Wenn die Banken einen massiven Abschreibungsbedarf durch solche Kredite haben, muss ab einer bestimmten Grössenordnung der Staat eingreifen. Dies geschieht bereits durch die schweizerische Nationalbank: In Polen hat sie der dortigen Zentralbank mehrere Milliarden Franken zur Verfügung gestellt, damit polnische Banken die Kredite decken können. Zugleich hat die schweizerische Nationalbank bereits bei der Europäischen Zentralbank angefragt, ob ihr diese im Notfall Geld ausleihen könnte. Dies ist ein klares Warnzeichen, dass der schweizerische Franken in Bälde unter einen enormen Abwertungsdruck geraten könnte.

Waren die Schweizer Banken zu unvorsichtig bei der Kreditvergabe in Osteuropa?

Ja, in der Tat. Viele Banker wollten zu viel verdienen und haben dabei die Risiken vernachlässigt. Schuld ist auch die Nationalbank, die nicht eingegriffen hat. Zudem haben die Aufsichtsbehörde und die Politiker völlig versagt.

Was muss die Schweiz nun tun?

Nun müssen die möglichen Verluste durch diese Kredite auf den Tisch; vor allem müssen alle möglichen osteuropäischen Risiken lückenlos offengelegt werden. Zusammen mit den Kreditausfällen von UBS und Credit Suisse könnte der gesamte Abschreibungsbedarf für die Schweiz die Grössenordnung des Schweizer Bruttosozialprodukts übersteigen.

Das heisst?

Der Schweiz droht wie Island der mögliche Staatsbankrott. Eine Folge davon wäre, dass die schweizerische Währung massiv an Wert verlieren könnte, möglicherweise sogar crasht. Eine andere wäre, dass die Schweiz in ihrer Kreditfähigkeit massiv zurückgestuft würde. Das wäre ein Trauma für das Land: Die Schweiz galt immer als Hort der Stabilität. Der Franken könnte zu einer instabilen Weichwährung werden. Dann würde die Schweiz vielleicht gezwungen sein, den Franken aufzugeben und den Euro zu übernehmen.

*Artur P. Schmidt ist promovierter Wirtschaftskybernetiker und Herausgeber der Finanzportale www.wallstreetcockpit.com sowie www.bankingcockpit.com. Er hat elf Bücher verfasst, sein aktuellstes Buch «Unter Bankstern» ist im EWK-Verlag erschienen. Schmidt schreibt zudem Fachartikel und Kolumnen für die Nachrichtenportale moneycab.com und telepolis.de. (Tagesanzeiger.ch/Newsnetz)

Erstellt: 17.03.2009, 09:59 Uhr


Europa: Aufteilung der Hilfskredite auf die Euro-Länder

Siehe auch „Griechenland-Hilfen: Portugal und Finnland nicht mit dabei?„. Gefunden bei tagesschau.de:

Rettungspaket

Finnland stimmt Griechenland-Hilfe zu

Finnlands Reichstag hat endgültig grünes Licht für die EU-Kredithilfe an Griechenland gegeben.

Das Parlament in Helsinki verabschiedete das Paket mit einem finnischen Beitrag von bis zu 1,6 Milliarden Euro mit der erwartet klaren Mehrheit von 108 gegen 63 Stimmen.

Aufteilung der Kreditsumme auf die Euro-Länder (Klicken für größere Darstellung)

Finanzminister Jyrki Katainen erklärte in der Debatte, eine Verweigerung dieser Hilfe würde zu mehr Arbeitslosigkeit und einer neuen Rezession führen. Neben den oppositionellen Sozialdemokraten stimmten einzelne Abgeordnete aus der „Regenbogen“-Koalition von Ministerpräsident Matti Vanhanen gegen das Paket. Der Regierung gehören das bäuerlich-liberale Zentrum des Regierungschefs, Konservative, die Grünen und die liberale SFP an.

Stand: 13.05.2010 13:15 Uhr


Lettland: Tilgung internationaler Kredite gefährdet…

So kann das irgendwann in (ferner?) Zukunft auch bei Griechenland aussehen. Nur mal so zum „im Hinterkopf behalten“… Und wo ich gerade was von 19% Arbeitslosigkeit in Lettland lese: da gibt’s noch ganz andere Länder in Europa mit ähnlichen Zahlen – die sind aber von ganz anderem Kaliber…

Gefunden bei de.rian.ru:

Lettland in tiefer Krise – Tilgung internationaler Kredite gefährdet

11:30 | 05/ 05/ 2010

RIGA, 05. Mai (RIA Novosti). Die baltische Republik Lettland ist nicht imstande, mit der Rückzahlung eines Kredits des IWF und anderer internationalen Finanzeinrichtungen 2012 zu beginnen.

Das sagte das Mitglied der Kommission für Haushalt und Finanzen des lettischen Parlaments, Miroslaw Mitrofanow, am Dienstagabend in einem Interview für den Fernsehsender PRO100.

„Ausgehend von heutigen Berechnungen – sollte es zu keiner starken Verbesserung der Wirtschaftssituation kommen – werden wir nicht imstande sein, mit der Tilgung des Kredits zu beginnen. Wir werden einfach kein Geld in der Kasse haben“, sagte er.

Lettland ist am schwersten unter allen EU-Ländern durch die globale Finanzkrise betroffen. Mehrere Betriebe sind pleite, die Arbeitslosigkeit liegt bei 19 Prozent. Ende 2008 hatte die Regierung den Internationalen Währungsfonds (IWF) und einige andere Finanzeinrichtungen um einen Kredit über 7,5 Milliarden Euro ersucht. Der Bitte wurde entsprochen. Laut Kreditvertrag soll Riga 2012 mit der Tilgung beginnen.


USA: Auch Fannie Mae braucht weitere Milliarden…

Ist ja nicht so, dass nur Europa seine „Fässer ohne Boden hat“… Siehe auch „USA: Freddie Mac ist ein Fass ohne Boden…„. Gefunden bei wsj.com:

MAY 11, 2010

Fannie Mae Needs $8.4 Billion More

Mortgage Investor Posts Another Loss, Seeks Cash Infusion

By NICK TIMIRAOS

Fannie Mae asked the U.S. government for an additional $8.4 billion in aid after posting an $11.5 billion net loss for the first quarter, the latest sign that the bailout of the mortgage investor and its main rival, Freddie Mac, is likely to be the most expensive legacy of the U.S. housing-market bust.

Fannie’s losses reflected continuing weakness in the housing market and would have been worse without accounting changes that reduced its deficit. The quarterly loss was an improvement from the $23.5 billion loss for the year-ago quarter and marked the 11th consecutive quarterly loss for the Washington-based firm.

The company has now racked up losses of nearly $145 billion, or nearly double its profits for the previous 35 years. While many of the nation’s biggest banks have repaid their government loans and some are back to racking up big profits, Fannie and Freddie are still suffering from the housing-market crisis.

In recent weeks, the Treasury pointed out how private-sector banks, insurers and even auto makers have repaid loans under the Troubled Asset Relief Program. But red ink continues to gush from Fannie and Freddie because of their huge exposure to home loans.

„Everyone’s trying to sweep it under the rug, but there’s a very large embedded loss that hasn’t been fully realized yet,“ says Kenneth Rosen, chairman of the Fisher Center for Real Estate and Urban Economics at the University of California, Berkeley. „Someone’s going to have to write a check, and it’s very large.“

The government’s tab for Fannie will climb to $84 billion, while Freddie’s stands at $61 billion. The government took control of both companies in 2008 through a legal process known as conservatorship as rising losses threatened to wipe out their thin capital reserves.

Fannie’s losses have surpassed Freddie’s because its $3 trillion book of loan guarantees is nearly one-third larger than Freddie’s. Delinquencies are higher at Fannie because the firm more aggressively dialed up its appetite for riskier loans at the peak of the housing boom.

Despite their losses, the firms are helping to stabilize the housing market. Fannie, Freddie and the Federal Housing Administration provided guarantees or insurance for 96.5% of the home mortgages that originated in the first quarter, according to Inside Mortgage Finance, a trade publication. The companies also play a central role in the Obama administration’s loan-modification effort designed to avert foreclosures.

Losses at Fannie and Freddie continue to grow because the firms must set aside more capital to cover anticipated losses as mortgage delinquencies rise. The Treasury kicks in more capital every quarter if revenues can’t meet those financial needs. Unlike many financial companies, the firms are exposed to a single asset class, holding nearly $5.5 trillion in mortgages and loan guarantees.

Fannie’s capital hole would have risen by $3.3 billion without new accounting rules that took effect Jan. 1. The firm’s losses were driven by deterioration in its $3 trillion book of loan guarantees, which accounted for a $12.5 billion loss.

One possible signal that losses will slow in the coming months: Fannie said 5.47% of its loans were 90 days or more past due at the end of March, down from 5.59% in February and the first monthly decline in nearly three years. That has stemmed in part from efforts to modify loans and from an uptick in liquidating delinquent loans through foreclosure. The company said Monday that credit losses could decline this year from record highs last year as delinquencies begin to level out.

The company’s loan-loss reserves fell to $61 billion from $64 billion three months ago, even as its pool of nonperforming loans grew to $224 billion from $217 billion. „If I was the government, I would plead with Fannie or Freddie to reserve far more than they are right now,“ given the prospect of future home-price declines, said Anthony Sanders, a real-estate finance professor at George Mason University in Fairfax, Va.

But the terms of the government conservatorship, which require Fannie and Freddie to pay an annual 10% dividend on their Treasury draw, could create an incentive to reserve more conservatively. Fannie had to pay the government $1.5 billion in dividends last quarter. „They don’t want to raise the reserve levels because in a sense it doesn’t matter and it could be perversely damaging to them,“ says Mr. Sanders.

In its filings Monday, in the coming months Fannie said it wasn’t likely to repay that its debt to the Treasury for the „indefinite future.“

Write to Nick Timiraos at nick.timiraos@wsj.com


USA: Freddie Mac ist ein Fass ohne Boden…

Scheiße wie die Zeit vergeht… Eben habe ich den alten Bericht von Q4/2009 zu Freddie Mac rausgesucht und noch so gedacht „25. Februar – das ist doch noch gar nicht so lange her – warum veröffentlichen die jetzt schon die Ergebnisse von Q1/2010?“ => irgendwie ist an mir vorbeigegangen, dass wir schon wieder Mai haben :-( Na egal – hier also der Artikel zum 7,8 Mrd Dollar Verlust von Q4 – und der nachfolgende Artikel mit dem Ergebnis von Q1 und der neuerlichen Hilfsanfrage  i.H.v. 10 Mrd. Dollar(!) – gefunden bei sueddeutsche.de:

US-Immobilienfinanzierer Freddie Mac

Milliardennachschlag fällig

06.05.2010, 13:45

Fass ohne Boden: 50 Milliarden Dollar hat die Rettung des US-Immobilienfinanzierers Freddie Mac bereits verschlungen, doch nun sind weitere 10 Milliarden Dollar an Hilfen vonnöten.

Als ob nicht schon genug Geld geflossen wäre: Nach deutlichen Verlusten im ersten Quartal braucht der angeschlagene US-Immobilienfinanzierer Freddie Mac weitere 10,6 Milliarden Dollar an Staatshilfe.

Das in McLean im Staat Virginia ansässige Unternehmen meldete am Mittwoch für den Zeitraum Januar bis März einen Verlust von acht Milliarden Dollar oder 2,45 Dollar pro Aktie. Die Bank ist bislang schon mit rund 50 Milliarden Dollar an Steuergeldern unterstützt worden.

Freddie-Mac-Chef Charles Haldeman erklärte, es gebe einige Anzeichen für eine Stabilisierung auf dem Immobilienmarkt, dazu gehörten die Hauspreise und Verkäufe in einigen wichtigen Gebieten.

Staatshilfen in unbegrenzter Höhe

Der Markt bleibe aber anfällig angesichts der historisch hohen Zahl an Zwangsvollstreckungen und der hohen Arbeitslosigkeit. Wegen geplatzter Hypothekenkredite musste Freddie Mac im ersten Quartal 5,4 Milliarden Dollar abschreiben nach sieben Milliarden Dollar in den letzten drei Monaten des vergangenen Jahres.

Freddie Mac und die ebenfalls angeschlagene Hypothekenbank Fannie Mae sind seit ihrem Beinahe-Zusammenbruch im September 2008 praktisch in Staatsbesitz. Die Regierung hat ihnen im Dezember vergangenen Jahres Staatshilfen in unbegrenzter Höhe bis zum Jahr 2012 zugesagt. Mit der neuen Forderung von Freddie Mac beläuft sich die staatliche Unterstützung für beide Organisationen inzwischen auf 136,5 Milliarden Dollar.

Der Staatsanteil am Hypothekengeschäft in den USA ist in den ersten drei Monaten auf fast 97 Prozent gestiegen, wie das Fachblatt „Inside Mortgage Finance“ erklärte. Neben Freddie Mac und Fannie Mae sind dafür im wesentlichen staatliche Einrichtungen wie die Federal Housing Administration und die Veterans Administration verantwortlich.

(sueddeutsche.de/apn/pak)


Europa: Schonungsklausel für Euro-Mitgliedsländer bei Griechenlandhilfe?

Gefunden bei ibtimes.com:

Deutscher Anteil an Griechenland-Hilfe könnte steigen

06. Mai 2010, 12:36 CET

Die europäischen Kreditgeber an Griechenland haben untereinander eine Art Schonungsklausel für Euro-Mitgliedsländer mit besonders hohen Finanzierungskosten vereinbart.

In einer Tischvorlage des Finanzministeriums für den Haushaltsausschuss, die Reuters am Donnerstag vorlag, heißt es, sollte ein Kreditgeber höhere Refinanzierungskosten haben als der Zins des Kreditgebers an Griechenland, “kann er verlangen, das ihm ein Zinsausgleich gewährt wird”. Er könne auch beantragen, an den Zahlungen für die nächste Kredittranche nicht teilzunehmen. Über diesen Antrag müssten dann die anderen Euro-Kreditgeber mit Zweidrittelmehrheit entscheiden. Dadurch könnte sich etwa für Deutschland ein höherer Anteil an den Krediten ergeben.

Der genannte Fall zu hoher Refinanzierungskosten würde nach aktueller Lage in erster Linie für Portugal infrage kommen. Am Vortag hatte es bei einer Experten-Anhörung vor dem Haushaltsausschuss noch geheißen, es gebe keinen allgemeinen Ausgleichsmechanismus zwischen den Euro-Ländern, die an Griechenland in den kommenden drei Jahren Kredithilfen von maximal 80 Milliarden Euro vergeben wollen. Wie Länder mit besonders hohen Refinanzierungskosten gegebenenfalls geschont werden, sei noch nicht abschließend geklärt.

Nimmt ein Land den genannten Zinsausgleich in Anspruch, so soll der laut der Vorlage des Ministeriums anteilig aus dem Zinsertrag der anderen Geberländer, also nach gegenwärtiger Lage auch Deutschlands, finanziert werden. In der Vorlage des Finanzministeriums heißt es zu dem Darlehensvertrag aber auch: “Kein Kreditgeber ist verantwortlich für die Verpflichtungen eines anderen Kreditgebers.”

In Medienberichten hieß es mit Blick auf diese Vereinbarungen, Deutschlands Anteil würde dann steigen. Ohnehin haben die Staaten der Vorlage zufolge zudem vereinbart, dass die Kreditsumme erhöht und die Laufzeit der Kredite verlängert werden kann. “Wir bekommen die Wahrheit nur scheibchenweise präsentiert. Das ist eine enorme Belastung für das Gesetzgebungsverfahren. Die Vereinbarung birgt unkalkulierbare Risiken für Deutschland”, sagte der SPD-Haushaltspolitiker Carsten Schneider der “Financial Times Deutschland”.

Der Haushaltsausschuss des Bundestags hatte mit der Mehrheit der Regierungsfraktionen von Union und FDP dem Kabinettsentwurf für das deutsche Griechenland-Hilfegesetz zugestimmt. Die Haushalts-Fachleute von SPD und Grünen enthielten sich nach Teilnehmerangaben. Die Linken-Haushaltspolitiker stimmten gegen das Gesetz. Die Abstimmung im Haushaltsausschuss hat empfehlenden Charakter für die endgültige Abstimmung im Bundestag am Freitag.


Europa: “Politik verschweigt der Öffentlichkeit wichtige Details der Griechenland-Hilfe”!

Gefunden bei ftd.de:

04.05.2010, 18:28

Kolumne

Münchau – Auf dem Weg in die nächste Lüge

Der Mittelmeerstaat ist vorerst gerettet. Doch die europäische Politik verschweigt der Öffentlichkeit wichtige Details der Griechenland-Hilfe. von Wolfgang Münchau

Es droht ein neuer Skandal um die Griechenland-Beihilfen, wieder einmal als Resultat der Doppelzüngigkeit der Regierungschefs. Den Märkten wird signalisiert, dass die vereinbarten Kredite den sogenannten Junior-Status haben. Das bedeutet, dass sie im Falle einer Staatspleite Griechenlands zweitrangig bedient werden. Zuerst werden die Besitzer griechischer Staatsanleihen ausbezahlt, und wenn dann noch was übrig bleiben sollte, bekommen die europäischen Regierungen ihr Geld wieder zurück.

Der Öffentlichkeit wird diese Information, so sie denn stimmt, vorenthalten. IWF-Gelder sind traditionell super-senior, also an allererster Stelle der Rangordnung. Ich hatte zunächst angenommen, das Gleiche würde auch für die europäischen Kredite gelten. Die Idee dahinter ist, dass die Kredite voll zurückbezahlt werden, wenn es zu einer Umstrukturierung der Schulden kommt. Ich habe jetzt aber gehört, dass angeblich sowohl IWF- als auch EU-Kredite in diesem Fall den Junior-Status genießen. Das wäre ein absoluter Skandal.

Ein Abschlag ist unausweichlich

Eine andere theoretische Möglichkeit ist, dass die Kredite der Euro-Staaten pari passu sind, also gleichrangig mit den im Umlauf befindlichen griechischen Schuldtiteln. Auch in diesem Fall würden die deutschen Kredite nicht vollständig zurückgezahlt, wenn es zu einer Umstrukturierung der Schulden kommen sollte – und angesichts der hohen griechischen Schuldenlast rechne ich fest damit in den nächsten zwei oder drei Jahren. Thomas Mayer, Chefökonom der Deutschen Bank, hat einen von Abschlag von 50 Prozent vorgeschlagen, einen sogenannten Haircut. Das wäre ein, zumindest verhandelter, teilweiser Erlass der Schulden. Die Anleihen wären dann nur noch die Hälfte wert.

Über die Höhe des Haircuts kann man sich streiten. Ich hätte eine etwas niedrigere Zahl angesetzt. Aber das Prinzip stimmt. Ohne Haircut geht es nicht. Und daher ist die Frage nach der Seniorität der Schulden relevant.

Sind also unsere Kredite junior, pari passu oder senior? Die Mitglieder des Haushaltsausschusses des Deutschen Bundestags sollten diese Frage bei ihrer Anhörung heute unbedingt stellen und eine Abstimmung verweigern, solange diese Frage nicht klar beantwortet ist. Wenn die Kredite junior sind, wie ich vermute, dann handelt es sich tatsächlich nicht um echte Kredite, sondern zumindest teilweise um einen Transfer, der dann auch haushaltspolitisch relevant sein sollte. Man müsste also einen Teil der für dieses Jahr vorgesehenen 8,4 Mrd. Euro tatsächlich im Bundeshaushalt verbuchen und wahrscheinlich durch Einsparungen in anderen Teilen des Haushalts finanzieren oder ein höheres Haushaltsloch in Kauf nehmen.

Ich kann verstehen, dass Finanzminister, Notenbanker und der Internationale Währungsfond dieses unangenehme Thema totschweigen. Denn egal wie man die Frage beantwortet, könnte es zu Problemen kommen, die das ganze Rettungspaket aushebeln. Der Bundestag würde einen Junior-Kredit möglicherweise blockieren. Eigentlich dürfte auch der Bundespräsident ein solches Gesetz nicht unterzeichnen. Denn es würde in der Tat verfassungsrechtliche Probleme aufwerfen. Das Bundesverfassungsgericht würde mit Verweis auf Artikel 125 des Lissabonner EU-Vertrags die Beihilfen als illegal deklarieren, denn ein Junior-Kredit mit einem Zinssatz unterhalb der Marktzinsen ist in der Tat eine illegale Beihilfe.

Sollten die Kredite dagegen erstrangig sein, wäre die rechtliche und politische Situation in Deutschland weitaus weniger problematisch. Dann würden allerdings die Finanzmärkte ausflippen. Die im Umlauf befindlichen griechischen Papiere wären allein damit schon offiziell degradiert. Das Notprogramm für Griechenland hätte seinen eigentlichen Zweck verfehlt, nämlich die Märkte zu beruhigen und ein Überschwappen der Krise auf andere Länder zu verhindern.

Der letzte Rest Vertrauen

Die Euro-Staaten spielen die Geschichte also mit der gleichen verlogenen Methode, mit der Bundeskanzlerin Angela Merkel so lange versucht hat, die Griechenland-Beihilfe politisch zu bewältigen. Nach außen signalisierte sie Verständnis und Hilfsbereitschaft, nach innen ließ sie sich als “Madame Non” feiern. Und jetzt signalisieren die Euro-Staaten den Finanzmärkten, ihre Kredite seien junior, während sie das Thema zu Hause lieber totschweigen. Mich würde im Übrigen auch interessieren, ob die Kredite von EU und IWF tatsächlich den gleichen Status haben.

Merkels Strategie ist deswegen fehlgeschlagen, weil man in einem fragmentierten Europa den Nachrichtenfluss nicht so kanalisieren kann, dass man dem Europäischen Rat und den Lesern der “Bild” über lange Zeit entgegengesetzte Information zukommen lässt. Die parallele Informationsstrategie über den Status der Anleihen wird genau so auffliegen.

Leser dieser Kolumne wissen, dass ich die Hilfe für Griechenland unter einer Beteiligung von Banken befürwortet habe. Aber ich halte es für notwendig, dass wir diesen Prozess mit einem hohen Grad an Transparenz durchführen. Wenn wir mit der gleichen verlogenen Strategie weitermachen wie bisher, dann verschwindet auch noch der letzte kleine Rest Vertrauen in die Politik.

Die verhaltene Marktreaktion auf die offizielle Einigung am Sonntag zeigt, dass wir noch längst nicht über den Berg sind. Die Renditen zweijähriger griechischer Staatsanleihen sind immer noch zweistellig, was eine andauernde Skepsis der Finanzmärkte ausdrückt. Es wäre schade, wenn jetzt die nächste Krise über uns hereinbräche, nur weil irgendwelche Politiker und Beamte es für kommod halten, eine störende Debatte zu unterbinden. Europäische Politiker würden sich den Vorwurf der Lüge und Trickserei gefallen lassen müssen. Ihr politische Handlungsspielraum würde dadurch erheblich reduziert.

Daher meine Aufforderung an die Abgeordneten des Bundestags: Bitte schaffen Sie Klarheit über den Status der EU- und IWF-Kredite.

Wolfgang Münchau ist FTD- und FT-Kolumnist. Er leitet den Informationsdienst Eurointelligence.


Deutschland: Griechenland-Hilfe der Banken eine “mittelmäßige Nebelkerze”!

Klare Worte – gefunden bei n-tv.de (Hervorhebungen von mir hinzugefügt):

Dienstag, 04. Mai 2010

Ackermanns Spendenmarathon – Die billige Griechen-Geste

von Nikolas Neuhaus

Deutschlands prominentester Banker stellt sich ins Rampenlicht und verspricht schwere Schützenhilfe für Griechenland. Hinter den warmen Worten steckt vor allem eines: Die Flucht einer Branche nach vorne, um möglichst billig aus der Griechenland-Krise zu kommen.

Ein Signal war der Finanzbranche wichtig: Sie will sich nach Worten von Deutsche-Bank-Chef Ackermann mit “erheblichen Summen” an den Hilfen für Griechenland beteiligen, und auch die Deutsche Bank selbst werde einen “substanziellen Beitrag” leisten. Nicht schon wieder soll der Eindruck entstehen, als würden die Banken nach prächtigen Gewinnen verbrannte Erde hinterlassen und der Politik den Besen in die Hand drücken. Wer sich die Versprechen der Banker jedoch im Detail anschaut, muss zu dem Schluss kommen, dass selbst die Besen dem Steuerzahler in Rechnung gestellt werden sollen.

Konkret wollen die Banken Griechenland dadurch unterstützen, dass sie Anleihen der Staatsbank KfW kaufen, mit denen die Hellas-Hilfen finanziert werden sollen. Ein Zeichen von Wagemut ist das nicht, denn sicherere Papiere für die Geldanlage werden Banken dank der staatlichen Ausfallgarantie wohl nicht finden. Vielmehr riecht es nach einem guten, zumindest aber unbedenklichen Geschäft für die Finanzhäuser.

Darüber hinaus wollen die Banken bestehende Kreditlinien für Griechenland und die griechischen Banken verlängern – jedoch nicht ohne Wenn und Aber, sondern “nach aller Möglichkeit”. Im Klartext heißt das: Wenn es den Bankern zu heiß wird und das Geld zu versacken droht, ist Schluss mit der Solidarität. Frisches Geld fließt dadurch so oder so nicht nach Athen, denn es geht nicht um zusätzliche Kredite, sondern ausschließlich um Kredite, die die Finanzhäuser den Griechen in besseren Zeiten eingeräumt haben.

Wachsweiche Worte

“Es ist außerordentlich wichtig, dass wir dieses Haus, das begonnen hat zu brennen, jetzt wirklich löschen”, sagte Ackermann. Die Adresse des Hauses erwähnte Ackermann nicht. Ein Schelm, wer Böses denkt. Aber nochmal im Klartext: Konkrete Summen? Unbekannt. Konkrete Namen? Noch nicht. Konkrete Maßnahmen? Fehlanzeige.

Bravo!

Wenn die Bankenbranche ein Signal der Solidarität senden wollte, dann hat sie es kräftig verbockt. Wenn sie jedoch eine mittelmäßige Nebelkerze werfen wollte, um die kommenden Tage bis zur NRW-Wahl ohne größere Blessuren durch wahlkämpferische Forderungen nach Zwangsabgaben der Finanzhaie zu überleben, dann hat sie ihre Aufgabe passabel gelöst. Eine gute Nachricht ist das jedoch weder für die Griechen noch den deutschen Steuerzahler.


Griechenland: Hilfspaket angefragt…

Schneller als von manchem erwartet hat Griechenland das vor kurzem erst geschnürte “Care-Paket” angefragt – aber viele Fragen bleiben, z.B. auch, ob die anderen, ohnehin schon in leichte Schieflage geratenen PIGS Staaten wie Portugal oder Spanien, sich die Beteiligung an den Griechenland-Hilfen überhaupt leisten können…

Gefunden bei manager-magazin.de:

23. April 2010, 15:55 Uhr

Trotz Hilfe

Welche Risiken für Hellas bleiben

Von Kai Lange

Griechenland hat die EU und den IWF um Finanzhilfen gebeten. Was passiert, wenn die Sanierung Griechenlands dennoch misslingt? Sind bald Portugal oder Spanien an der Reihe? Welche Risiken tragen Steuerzahler und Investoren? manager magazin beantwortet die wichtigsten Fragen.

Hamburg – Das Pokerspiel ist zu Ende. Monatelang hat sich Griechenland darum bemüht, seine Schulden am Kapitalmarkt zu refinanzieren – während das Vertrauen der Investoren schwand und die Risikoprämien für griechische Staatsanleihen weiter in die Höhe gereizt wurden. “Der Markt wollte schlichtweg das Blatt sehen”, meint Stefan Schilbe, Chefvolkswirt von HSBC Trinkaus.

Bei Renditen von zeitweise 8,7 Prozent für zehnjährige Staatsanleihen sieht das Land keine Chance mehr, sich frisches Geld am Markt zu besorgen. Es muss Kredite der Euro-Länder und des IWF in Anspruch nehmen, um einen Staatsbankrott zu verhindern.

Die Euro-Länder und der IWF werden Griechenland deutlich günstigere Kredite bereitstellen, als sie der Markt derzeit bietet. Der Umfang des Kreditpaketes dürfte bei rund 45 Milliarden Euro liegen, von denen die Euro-Länder zunächst 30 Milliarden und der IWF 15 Milliarden tragen. Dieses Geld verschafft dem hoch verschuldeten Land Zeit, um seine Finanzen in Ordnung zu bringen und Vertrauen am Finanzmarkt zurückzugewinnen.

Nach Einschätzung der Deutschen Bank steht Griechenland vor einer “Herkulesaufgabe”. Hellas will seine Neuverschuldung von derzeit 13,5 Prozent des BIP binnen vier Jahren auf 2 Prozent des BIP drücken.

Dies ist schon unter positiven konjunkturellen Rahmenbedingungen schwierig. Der verordnete strikte Sparkurs dürfte die Wirtschaftsleistung des Landes bis 2012 um knapp 10 Prozent einbrechen lassen. Die Arbeitslosigkeit dürfte laut Deutscher Bank von 9 auf 19 Prozent hochschnellen. Wachstum ist aber Voraussetzung für eine erfolgreiche Entschuldung – die Konjunktur darf nicht vollends abgewürgt werden.

Von einer Rettung Griechenlands kann also noch keine Rede sein. Bis zu einer Bewältigung der Schuldenkrise sind weitere Hürden zu überwinden – zunächst einmal für den Weltwährungsfonds, der das Sanierungskonzept für Griechenland organisieren muss.

Warum steht der IWF jetzt unter Zeitdruck?

Normalerweise verhandelt der IWF im Fall einer Nothilfe nur mit der Zentralbank und der Regierung des betroffenen Landes – im Fall Griechenland muss sich der Weltwährungsfonds mit Griechenland, der Europäischen Zentralbank und den EU-Staaten auseinandersetzen.

“Da so viele verschiedene Akteure beteiligt sind, dürfte es für den IWF nicht einfach sein, eine Einigung zu erzielen”, heißt es in einem Kommentar der Deutschen Bank. Ohne ein fertiges Sanierungskonzept des IWF kann Griechenland jedoch nicht mit Hilfen der Euro-Partner rechnen, betonte ein Sprecher der Bundesregierung: “Ein IWF-Paket ist Voraussetzung für die Aktivierung des Hilfspakets.”

Wann fließt das Geld von EU-Ländern und IWF?

Zunächst muss der förmliche Hilfsantrag Griechenlands von EU-Kommission, EZB und IWF geprüft werden. Anschließend müssen die Staats- und Regierungschefs im Europäischen Rat beschließen, die Hilfen zu gewähren. Nach diesem Grundsatzbeschluss werden IWF und Europäische Kommission ein Sanierungsprogramm erstellen.

Da der Weltwährungsfonds sicherstellen muss, dass die Finanzierung des Landes für die kommenden Jahre gesichert ist, wird der IWF auch Informationen über den Kreditbedarf Griechenlands in den Jahren 2011 und 2012 anfordern. Bilaterale Kredite der EU-Länder sind außerdem von der Zustimmung der nationalen Parlamente abhängig.

Wie viel Geld muss Deutschland zahlen?

Bislang haben die EU-Länder Griechenland in diesem Jahr Kredite in Höhe von rund 30 Milliarden Euro avisiert. Da das Kapitalgewicht Deutschlands bei der EZB knapp 20 Prozent beträgt, wäre der deutsche Steuerzahler zunächst mit rund 8,4 Milliarden Euro dabei. Dieser Betrag dürfte deutlich steigen, wenn der zusätzliche Kreditbedarf Griechenlands für die beiden Folgejahre ermittelt wird. Beobachter rechnen damit, dass die EU für 2011 und 2012 weitere 35 Milliarden Euro Kredit bereitstellen wird, was den deutschen Beitrag um knapp 10 Milliarden auf dann rund 18 Milliarden Euro erhöhen dürfte.

Warum sind die Hilfen Subventionen?

Griechenland muss für die Kredite der Euro-Länder Zinsen in Höhe von voraussichtlich rund 5 Prozent zahlen. Dies liegt deutlich unter dem derzeit am Markt geforderten Zinssatz. Die Kostenersparnis Griechenlands liegt nach Berechnungen der Deutschen Bank für die ersten 30 Milliarden Euro bei bis zu 530 Millionen Euro – dieser Betrag könnte als “Subvention” bezeichnet werden. Gleichzeitig stellen die EU-Länder mit ihren Zusagen sicher, dass sich Griechenland zu planbaren Konditionen in den kommenden Jahren refinanzieren kann.

Der vom Weltwährungsfonds geforderte Zinssatz ist deutlich niedriger als die von den EU-Ländern geforderte Prämie. Er dürfte unter 3 Prozent liegen, dafür ist die Auszahlung der einzelnen Kredittranchen an strenge Auflagen geknüpft.

Müssen bald auch Portugal, Irland und Spanien gestützt werden?

An den EU-Hilfen für Griechenland sind auch die anderen hoch verschuldeten “Krisenstaaten” der Euro-Zone beteiligt. An dem bereits zugesagten Kreditpaket der Euro-Länder in Höhe von 30 Milliarden Euro trägt Spanien 3,7 Milliarden Euro, Portugal 0,8 Milliarden Euro und Irland 0,5 Milliarden Euro. Die Beträge dürften mit den erwarteten Kreditzusagen für 2011 und 2012 noch steigen. Am Markt herrscht die Befürchtung, dass die zusätzlichen finanziellen Belastungen die Probleme in diesen Staaten verschärfen könnte.

Dennoch sei Griechenland nicht mit Spanien, Portugal und Irland zu vergleichen, betonen die Analysten der Deutschen Bank. Die öffentliche Verschuldung Griechenlands lag 2009 bei knapp 120 Prozent der Wirtschaftsleistung – während sie Irland 78 Prozent, in Portugal 65 Prozent und in Spanien “nur” 55 Prozent des BIP betrug. Alle drei Staaten hätten im Vergleich zu Griechenland daher wesentlich bessere Voraussetzungen, ihre Schuldenlast zu stemmen.

Spanien, Portugal und Irland genießen derzeit ein höheres Vertrauen am Finanzmarkt und konnten sich auf Grund ihrer besseren Bonität bislang wesentlich leichter am Kapitalmarkt refinanzieren. In Irland reiche die Liquidität bereits aus, um den Bruttofinanzbedarf in diesem Jahr zu decken. “Wir sehen Griechenland innerhalb der Währungsunion als Einzelfall”, meint Thomas Mayer, Chefvolkswirt der Deutschen Bank.

Was passiert, wenn die Sanierung Griechenlands misslingt?

Der Konsolidierungskurs der Regierung in Athen ist extrem ehrgeizig. Binnen vier Jahren soll die Neuverschuldung um 11,5 Prozent gedrückt werden – von derzeit 13,5 Prozent auf nur noch 2 Prozent des BIP im Jahr 2013. Dies ist nur mit Hilfe eines rigiden Sparprogramms möglich, das gleichzeitig aber auch die Konjunktur nicht komplett abwürgen darf. Die Wirtschaftsleistung Griechenlands dürfte in diesem Jahr auf Grund der Konsolidierung um 4 Prozent einbrechen, das wäre der schärfste Rückgang seit 1974. Bis 2012 dürfte das BIP sogar um knapp 10 Prozent zurückgehen und die Arbeitslosigkeit auf 19 Prozent steigen.

Das Athener Konsolidierungsprogramm ist optimistisch, weil es unterstellt, dass die wirtschaftliche Aktivität unter den Sparvorgaben nicht allzu stark leiden wird und die öffentliche Verschuldung bis 2019 wieder zurückgehen wird. Es besteht jedoch das Risiko, dass der strikte Sparkurs eine Abwärtsspirale in Gang setzt: Sinkt die Wirtschaftsleistung, steigt der am BIP gemessene Verschuldungsgrad des Landes.

Im Falle eines “Wachstumsschocks” – das Wachstum fällt jährlich um 1 Prozent niedriger aus als unterstellt – würde die Staatsverschuldung bis 2019 auf 190 Prozent des BIP steigen. Im Fall eines “Zinsschocks” – Griechenland müsste am Markt ab 2011 um 1 Prozent höhere Zinsen zahlen als angenommen – stünde die Staatsverschuldung auch 2019 bei knapp 130 Prozent des BIP. Kombiniert man beide Szenarien, erhöhen sich die Risiken.

Entscheidende Voraussetzung für eine Sanierung Griechenlands ist daher ausreichend Wachstum der Realwirtschaft: Dies wiederum setzt voraus, dass Griechenland seine Wettbewerbsfähigkeit steigert. Ohne Wachstum wird es keine Chance auf Entschuldung geben.

Die Finanzhilfen der Euro-Länder und des IWF sind jedoch daran geknüpft, dass Griechenland seine Sparvorgaben erfüllt und sein Sanierungsprogramm voranbringt. Sollte dies nicht mehr der Fall sein, müssten die Finanzhilfen eingestellt werden. Dies könnte zu einem Zahlungsausfall Griechenlands führen.

Was geschieht im Fall einer Staatspleite?

Ein Zahlungsausfall Griechenlands hätte zur Folge, dass die Kurse griechischer Staatsanleihen in den Keller rauschen. Investoren, die Anleihen gekauft und Griechenland damit Geld geliehen haben, verlieren viel Geld. Den Großteil griechischer Anleihen halten europäische Großbanken sowie Zentralbanken einzelner Staaten.

Wie hoch die Verluste der Investoren sein dürften, lässt sich nur abschätzen. Beispiele liefern frühere Staatspleiten wie in Russland und in Argentinien: Russland erklärte sich 1998 für zahlungsunfähig, und Argentinien konnte 2001 seine Schulden nicht mehr bedienen.

Russland und Argentinien als jüngere Beispiele

Beide Staaten boten ihre Anleihen zum Umtausch an – mit einem gehörigen Abschlag. Bei argentinischen Papieren betrug der Abschlag der Anleihen nach Berechnungen von Moody’s 30 Tage nach dem Zahlungsverzug durchschnittlich 73 Prozent des Nennwertes, bei russischen Papieren waren es sogar 82 Prozent Abschlag. Über alle von Moody’s untersuchten 13 Länder hinweg mussten Investoren einen durchschnittlichen Abschlag von 50 Prozent hinnehmen – die Hälfte des Geldes war weg.

Gläubiger argumentieren, dass ein Zahlungsausfall Griechenlands dem noch labilen Finanzsektor einen schweren Stoß versetzen und wie eine zweite Lehman-Pleite wirken würde – aus diesem Grund müsse eine Pleite unter allen Mitteln verhindert werden.

“Staatspleiten kommen ähnlich wie Vulkanausbrüche zu einem unerwarteten Zeitpunkt, die Kosten für die Anleger sind hoch”, schreiben die Analysten der Commerzbank in einer Studie. “Auch das Einschreiten des IWF kann nicht garantieren, dass ein Land seine Staatsfinanzen erfolgreich saniert”.

Griechenland hat also noch viel Arbeit vor sich, Risiken für Investoren bleiben bestehen – auch dann, wenn die Hilfe von IWF und Euro-Ländern in Kürze fließt.

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