Spanien: Fitch senkt Kreditwürdigkeit

Was für eine Lachnummer: ist das Defizit zu groß, heulen die Ratingagenturen – und soll gespart werden, passt es ihnen auch nicht. Aber Hauptsache die USA behalten ihr “AAA” -Rating ;-) Gefunden bei tagesschau.de:

Spaniens Kreditwürdigkeit nur noch AA+

Die Ratingagentur Fitch hat Spaniens Kreditwürdigkeit herabgestuft. Das Rating wurde vom Bestwert AAA um eine Stufe auf AA+ zurückgenommen. Zur Begründung erklärte das Unternehmen, die Sparanstrengungen der spanischen Regierung zur Senkung des Haushaltsdefizits würden das Wirtschaftswachstum in den kommenden Monaten belasten.

Die Einstufung von Ratingagenturen entscheidet darüber, zu welchen Konditionen Konzerne, Banken und auch Länder auf den Kapitalmärkten Geld leihen können – je besser das Rating, desto niedriger die Zinsen. Eine Herabstufung, wie sie seit einiger Zeit bei Griechenland stattgefunden und jetzt bei Spanien für Aufsehen sorgt, bedeutet für den Kreditnehmer höhere Zinsen.

Sorgen vor Wachstumsproblemen

Das spanische Parlament hatte am Donnerstag mit nur einer Stimme Mehrheit den Sparplänen der Regierung zugestimmt. Für den Haushalt 2011 soll die Ausgabengrenze demnach im Vergleich zu diesem Jahr um 7,7 Prozent auf rund 122,3 Milliarden Euro gesenkt werden. Vor allem Gehälter im öffentlichen Dienst sollen gekürzt werden. Die EU und internationale Finanzinstitutionen haben das angekündigte Sparprogramm gelobt.

Die Herabstufung durch Finch spiegelt aber auf der anderen Seite die Besorgnis von Ökonomen wider, dass die Ausgabenkürzungen das Wachstum hemmen. Ein geringeres Wachstum wiederum führt zu niedrigeren Steuereinnahmen. Den wirtschaftlichen Ausblick Spaniens schätzt Fitch aber weiter stabil ein.


Europa: Der europäische Stabilisierungsmechanismus im Detail

Vereinzelt kann man lesen, dass Frankreich am Wochenende kurz vor’m Kollaps stand und vor allem Sarkozy auf dieses Wahnsinns-Rettungspaket bestand. Wenn ich mir die hier verlinkte Grafik anschaue, frag ich mich ohnehin, was Frankreich da in Italien für ein Rad gedreht hat, aber OK… Nachfolgend zwei Artikel, die das nun beschlossene Rettungspaket zusammenfassen. Nicht erwähnt wird dort allerdings, dass die EZB auch private Anleihen aufkauft! Allerdings: bei den Börsen scheint nach der Party gestern wieder Ernüchterung einzukehren – lediglich die Zinsen der Staatsanleihen sind auf ein halbwegs erträgliches Maß gefallen => wenn die Zusage von 750 Mrd. EUR nur noch für 1 Tag Freudentaumel gut ist, dann gute Nacht… ;-)

Gefunden bei zeit.de:

Euroländer

Finanzminister beschließen gigantischen Rettungsplan

750 Milliarden Euro – diesen Umfang hat das Kreditprogramm, auf das sich die EU-Finanzminister zur Abwehr einer Schuldenkrise in der gesamten Euro-Zone geeinigt haben.

Es ist kurz nach zwei Uhr, als der deutsche Innenminister Thomas de Maizière in Brüssel vor die Presse tritt. Sichtlich abgekämpft verkündet der Minister den Plan, auf den sich die Finanzminister der 27 EU-Mitgliedsstaaten zuvor in Stunden zäher Verhandlungen verständigt haben: Ein 750 Milliarden Euro schweres Hilfspaket, das die Europäer zusammen mit dem Internationalen Währungsfonds schnüren werden, soll den Euro vor dem Aus bewahren und bedrohte Staaten vor dem Bankrott schützen.

Es ist das vorläufige Ende eines Rettungskrimis, der sich weit in die Nacht hineinzog und der unter enormen Zeitdruck stand: Noch in der Nacht würden die Märkte in Asien öffnen, das war klar, und zuvor sollte der Rettungsplan stehen. Das gelang: Die Tokioter Börse eröffnete im Plus. Bis zur Mittagspause (Ortszeit) legte der Nikkei um 1,3 Prozent auf 10.499 Punkte zu. Der Euro notierte nach Bekanntgabe des Maßnahmenpakets in Fernost mit 1,2875 Dollar.

Bis zuletzt gab es in Brüssel heftigen Streit über Kompetenzen und Details. Immer wieder hatten die Unterhändler Kontakt zum IWF und der Europäischen Zentralbank in Frankfurt gehalten.

Erschwerend kam hinzu, dass der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble am Sonntagnachmittag kurz nach seiner Ankunft in Brüssel erneut ins Krankenhaus eingeliefert werden musste und Innenminister de Maizière eigens aus Berlin eingeflogen wurde, um die deutsche Seite zu vertreten. Dadurch verzögerten sich die Verhandlungen um weitere Stunden. Am Ende stand ein Kompromiss, der erhebliche Konsequenzen mit sich bringt und nicht zuletzt Deutschland weiteren Lasten aussetzt.

Der Plan der Euro-Staaten sieht zwei Stufen von Hilfen vor: In einem ersten Schritt hält die EU-Kommission rund 60 Milliarden Euro an Krediten für Not leidende Staaten bereit. Diese sollen in der gleichen Weise vergeben werden wie die Zahlungsbilanzhilfen für Ungarn, Lettland und Rumänien in der Vergangenheit. Diese ersten Hilfen sollen im Notfall innerhalb der nächsten Stunden abrufbar sein.

In einem zweiten Schritt verpflichten sich die Euro-Staaten zum Aufbau einer Zweckgesellschaft. Diese soll an den Kapitalmärkten unter der Aufsicht der EU-Kommission Kredite aufnehmen können, wenn einer oder mehrere Staaten von einer Pleite bedroht sind. Alle Euro-Staaten verpflichten sich, die Kredite mit einer Bürgschaft von bis zu 440 Milliarden Euro auszustatten bei einer Laufzeit von drei Jahren. Hinzu kommen Finanzhilfen des IWF in Höhe von bis zu 250 Milliarden Euro. Damit wird der Beitrag zur Rettung des Euros weit größer als bislang vereinbart. De Maizière sagte in Brüssel, die deutsche Regierung hoffe, „dass es zur Anspruchnahme nicht kommt“. Er kündigte an, dass für das neue Rettungspaket ein weiteres Gesetz im Bundestag verabschiedet werden müsse. Dies könne schon in den kommenden Tagen passieren.

Zugleich einigten sich die Minister darauf, die Marktteilnehmer schneller als bislang einer strengeren Regulierung zu unterwerfen. Man werde außerdem dafür sorgen, dass der Finanzsektor „einen substanziellen Beitrag“ an den Kosten der Krise trage, sagte de Maizière am Sonntagabend. Defizitsünder sollen künftig dazu gezwungen werden können, ihren Sparkurs deutlich zu beschleunigen.

Der Aufbau einer Zweckgesellschaft ist ein Kompromiss, um den vor allem die deutsche Seite hart gerungen hatte. Deutschland und die Niederlande hatten sich zuvor gegen eine Lösung gesperrt, bei der die EU-Kommission deutlich mehr Macht erhalten hätte: Die Kommission hätte in diesem Fall Kredite aufgenommen, sie sich von Euro-Staaten verbürgen lassen und dann an die einzelnen Staaten weitergereicht.

Die rechtliche Grundlage für den neuen Mechanismus soll der Artikel 122 des Lissabon-Vertrags bilden. Dieser sieht vor, dass Länder der Union finanziellen Beistand bekommen können, „aufgrund von außergewöhnlichen Ereignissen, die sich der Kontrolle des Staates entziehen“. Bei der Griechenland-Rettung hatte man auf den Rückgriff auf diesen Paragraphen noch verzichtet.

Zusätzlich zu den Hilfen von EU und IWF wird die Europäische Zentralbank die Rettung mit drastischen Maßnahmen unterstützen. Währungskommissar Rehn sagte, die Zentralbank werde auf dem „Sekundärmarkt für Staatsanleihen“ intervenieren. Die Währungshüter in Frankfurt hätten „bedeutende Operationen“ beschlossen. Deutschland hatte sich zuletzt gegen Pläne gestemmt, der Zentralbank auch den Kauf von Staatsanleihen anderer bedrängter Staaten zu genehmigen.

Euro-Rettungsschirm

In der schwersten Krise des Euro seit Gründung der Währungsunion zeigen die Euro-Staaten Geschlossenheit: Um den Verfall der gemeinsamen Währung zu stoppen, haben die Finanzminister der 16 Euroländer ein nie dagewesenes Auffangnetz beschlossen.

Die EU-Kommission weitet die bereits an Nicht-Euroländer (Ungarn, Lettland und Rumänien) geleisteten Hilfen kurzfristig auf Mitglieder des Währungsraums aus. Dazu wird der Topf von derzeit 50 Milliarden auf 60 Milliarden Euro aufgestockt.

Zudem schafft die Euro-Zone ein völlig neues Instrument: Eine Gesellschaft unter Aufsicht der EU-Kommission kann im Namen aller 16 Euroländer Geld am Markt leihen und den Kredit an finanzschwache Staaten weitergeben. Die Euroländer selbst treten dabei als Bürgen auf. Die Finanzminister einigten sich auf einen Finanzrahmen für diese Zweckgesellschaft von bis zu 440 Milliarden Euro. Der Rettungsschirm wird ergänzt um Finanzhilfen des Internationalen Währungsfonds (IWF) in einer Höhe von bis zu 250 Milliarden Euro.

Rechtsgrundlage

Die Rechtsgrundlage für die Zweckgesellschaft muss noch geschaffen werden, in Deutschland ist hierfür ein Gesetz notwendig. Mit dem Notfallplan setzen die Euro-Staaten das im EU-Vertrag festgeschriebene Verbot der Schuldenhaftung außer Kraft. Die Länder berufen sich als Grundlage für den neuen Mechanismus aber auf Artikel 122 des Lissabon-Vertrages.

Dieser erlaubt finanziellen Beistand „aufgrund von außergewöhnlichen Ereignissen, die sich der Kontrolle des Staates entziehen“. Darunter fällt also offenbar auch die Attacke gegen den Euro, welche die Politik in den vergangenen Tagen als Schuldige der akuten Krise ausgemacht hat.

EZB

Die Europäische Zentralbank (EZB) flankiert die Vorkehrungen durch den Aufkauf von Staatsanleihen der Euroländer. Der EU-Vertrag schließt ausdrücklich aus, dass die Notenbanken direkt Staatsanleihen kaufen – die EZB kann die Papiere also nur am Sekundärmarkt erwerben. Über den Umfang der Interventionen, zu denen noch umfangreiche Stützungsmaßnahmen für den Geldmarkt und das Bankensystem kommen, entscheidet der EZB-Rat. Die Zentralbank pocht aber auf ihre Unabhängigkeit. Insbesondere wegen Inflationsrisiken hatte sich die EZB lange gegen Eingriffe dieser Art gewehrt.

Gefunden bei teleboerse.de:

Montag, 10. Mai 2010

Woher kommt das viele Geld?

Das Rettungspaket im Detail

In einer historisch beispiellosen Gemeinschaftsaktion einigen sich die Staaten Europas auf eine gemeinsame Strategie zur Stützung und Stabilisierung der Euro-Zone. Ein Blick auf die Details.

Die Euro-Länder können zur Abwehr einer Schuldenkrise künftig auf ein riesiges Kreditprogramm im Umfang bis zu 750 Mrd. Euro zurückgreifen. Der „Europäische Stabilisierungsmechanismus“ umfasst Kredite und Kreditgarantien von 500 Mrd. Euro. Der Internationale Währungsfonds (IWF) stellt zusätzlich Kreditlinien in Höhe von rund 250 Mrd. Euro.

Die Details der Vereinbarung der EU-Finanzminister im Überblick:

  • 60 Mrd. Euro an Krediten kommen aus dem EU-Gemeinschaftshaushalt. Das Programm wird so lange aufrecht erhalten, wie es gebraucht wird. Es basiert auf Artikel 122 des EU-Vertrags. Nach diesem kann ein Land auf den Beistand der Gemeinschaft zurückgreifen, wenn es aus Gründen, die sich seiner Kontrolle entziehen, in Schwierigkeiten gerät. Der 60-Mrd-Topf aus EU-Gemeinschaftsmitteln steht unmittelbar per Verordnung zur Verfügung.
  • Der Löwenanteil des Rettungspakets – insgesamt 440 Mrd. Euro – werden über eine Zweckgesellschaft zur Verfügung gestellt. Dafür stellen alle beteiligten Mitgliedstaaten – das sind bisher alle Euro-Länder sowie Polen und Schweden – Garantien bereit. Ausgestattet mit dem Gewicht dieser Bürgschaften kann die Zweckgesellschaft dann zinsgünstiges Kapital an den Märkten aufnehmen. Das Programm ist auf drei Jahre begrenzt. Rechtsgrundlage ist eine zwischenstaatliche Vereinbarung. Die Zweckgesellschaft muss erst noch gegründet werden. Nach Ablauf des Programm soll sie wieder aufgelöst werden.
  • Der Internationale Währungsfonds steuert eine Kreditlinie von rund 250 Mrd. Euro bei. Der IWF muss außerdem über ein gemeinsames Programm bei der Aktivierung der europäischen Kredite eingeschaltet werden.
  • Die Zinsen für die europäischen Programmteile werden nach dem gleichen Berechnungsmodell ermittelt, das bereits beim Kreditpaket für Griechenland angewandt wurde.
  • Für die Freigabe der Kredite gelten strenge Bedingungen wie etwa Reform- und Sparpläne, wie sie bei IWF-Hilfen üblich sind.

Deutschland: Haben Lebensversicherer 6% ihrer Anlagen in PIGS-Anleihen?

Gefunden bei manager-magazin.de:

05.05.2010

Schuldenkrise

Versicherer sitzen auf Griechen-Bonds

Von Lutz Reiche

Lebensversicherer sind stark in Staatsanleihen investiert, auch in die der Krisenstaaten. Als die Ratingagenturen den Daumen über Griechenland und Co. senkten, standen sie sogar auf der Käuferseite, sagt Société-Général-Experte Carsten Zielke im Gespräch mit manager magazin. Jetzt habe die Branche ein Problem.

mm: Herr Zielke, die deutschen Lebensversicherer legen das Geld ihrer Kunden am Kapitalmarkt überwiegend konservativ an. Wie hoch schätzen Sie den Anteil der Staatsanleihen im Portofolio der Branche?

Zielke: Staats- und Länderanleihen dürften immer noch rund 30 Prozent des Anlagekapitals ausmachen.

mm: Anleihen vieler vor allem südeuropäischer Staaten waren in jüngster Vergangenheit stark unter Druck geraten. Wie hoch ist die Branche in Staatsbonds von Portugal, Italien, Irland, Griechenland und Spanien investiert?

Zielke: Wir gehen davon aus, dass die Lebensversicherer mindestens 6 Prozent ihres Anlagekapitals in Anleihen dieser Staaten investiert haben. Bei griechischen Staatsanleihen dürfte das Engagement im Branchenschnitt zwischen 0,5 bis 1 Prozent liegen. Einzelne Unternehmen sollen sogar mit bis zu 2 Prozent ihres Anlagekapitals in griechischen Staatsanleihen investiert sein.

mm: Ratingagenturen stuften die Anleihen der betroffenen Staaten zuletzt empfindlich ab, griechische Staatsbonds sogar auf Ramschniveau. Was bedeutet das für die Bilanzen der Lebensversicherer?

Zielke: Die Euro-Länder haben gezeigt, dass sie bereit sind, füreinander einzustehen. Durch den Mechanismus des gegenseitigen Einstehens sollten wir das Ausfallrisiko von europäischen Staatsanleihen daher auch eher als gering einschätzen. Gleichwohl sehen wir Auswirkungen auf die Bewertungen dieser Geldanlage. Für die Lebensversicherer bedeutet dies, dass sie auf ihr Bond-Portfolio stille Lasten bilden, weil die Zinsdifferenzen entsprechend steigen. Von daher machen sich diese Investments natürlich in den Bilanzen der Lebensversicherer bemerkbar.

mm: Für die Versicherer geht von diesen Staatsanleihen keine Gefahr aus?

Zielke: Nein, ein existentielles Problem geht von ihnen im Portfolio der Lebensversicherer nicht aus. Wie gesagt, sehe ich damit vielmehr ein Bewertungsproblem für die Branche verknüpft.

mm: Sollten die Lebensversicherer ihre Anlagestrategie überdenken?

Zielke: Ich denke, nach der Eskalation um griechische Staatsanleihen werden die Lebensversicherer mit Investments in Staatsanleihen dieser Staaten jetzt vorsichtiger sein, auch wenn sie deutlich höhere Zinsen abwerfen. Angesichts eines durchschnittlich garantierten Zinssatzes von rund 3,4 Prozent gegenüber ihren Kunden und anhaltender Niedrigzinsphase werden die Unternehmen aber neu überlegen müssen, wie sie dieses Geld am Kapitalmarkt verdienen wollen. Meine Hoffnung ist, dass die Branche ihre Aversion gegenüber Aktien ablegt.

mm: Sie monierten zuletzt das hohe Engagement der Branche in Bankentitel jeglicher Art. Muss die Sorge heute nicht vielmehr dem Engagement der Lebensversicherer in Staatsanleihen gelten?

Zielke: Rund 60 Prozent der Kapitalanlagen der Lebensversicherer sind direkt oder indirekt mit Bankrisiken behaftet. Ich halte den hohen Konzentrationsgrad der Branche in Schuldscheindarlehen und Namensschuldverschreibungen deutscher Banken nach wie vor für problematisch. Staatsanleihen müssen die Versicherer nicht zwingend abschreiben. Wird hingegen die Bonität einer Bank drastisch abgestuft, hat man als Investor da schon eher Probleme. In dieser Hinsicht stellen Staatsanleihen immer noch das risikoärmere Investment dar.

mm: Als die Renditen für griechische Bonds prozentual zweistellig emporschossen, waren da deutsche Lebensversicherer auf der Käuferseite?

Zielke: Wer an die Rettung Griechenlands glaubte, hatte als Investor bei griechischen Staatsanleihen zugegriffen. Zum Zeitpunkt hoher einstelliger Renditen dürfte auch so mancher Lebensversicherer diese Papiere gekauft haben, darüber hinaus aber eher nicht. Die Solvenzregeln lassen der Branche hier indes auch viel Freiraum. Das heißt, ein Lebensversicherer muss griechische Staatsanleihen nicht mit mehr Eigenkapital unterlegen als deutsche Staatsbonds. Das System steigert meiner Meinung nach die Neigung eines Lebensversicherers, größere Länderrisiken in die Bücher zu nehmen.

mm: Die Käufer haben also nicht gezockt?

Zielke: Nein, ich würde vielmehr von Spielerei oder einer Wette auf die Stabilität des Euro-Systems sprechen. Wie gesagt lassen die Solvenzregeln der Branche viel Spielraum. Wenn dann auch noch die EZB Griechenland-Bonds als Sicherheit für Kredite akzeptiert, muss sich das Risiko aus Investorensicht ja niedriger darstellen als zum Beispiel bei einem einzelnen Aktieninvestment.

mm: Hat das Renommee der Staatsanleihe als vergleichsweise sicheres Investment durch die Griechenlandkrise gelitten?

Zielke: Ihr Ruf ist zumindest lädiert, zumal griechische Staatsanleihen eine enorme Volatilität an den Tag gelegt haben, wie wir sie in Europa noch nicht gesehen haben. Europäische Staatsanleihen sind aus meiner Sicht nach wie vor ein sicheres aber nicht gerade stabiles Investment.

mm: Sollten deutsche Lebensversicherer weiter in südeuropäische Staatsanleihen investieren?

Zielke: Wer an das Euro-System glaubt – und ich gehöre dazu -, sollte weiterhin in europäische Staatsanleihen investieren. Vor dem Hintergrund der jüngsten Krise halte ich es aber für sehr wichtig, intensiver über die Diversifikation des Gesamtportofolios nachzudenken. Lebensversicherer sollten sich stärker gegen Inflationsrisiken absichern. Dazu gehören verstärkt andere Geldanlageformen wie Aktien und Immobilien und nicht vornehmlich festverzinsliche Wertpapiere, in die die Branche zu 85 Prozent investiert ist.


Europa: Müssen PIIGS-Staaten 2.000 Mrd. EUR refinanzieren?

Gefunden bei  nzz.ch:

6. Mai 2010, 13:00, NZZ Online

«PIIGS» brauchen 2000 Milliarden Euro

Dominoeffekt hätte verheerende Folgen

In den nächsten drei Jahren müssen die Euro-Länder Portugal, Italien, Irland, Griechenland und Spanien laut Schätzungen 2000 Mrd. Euro Staatsschulden refinanzieren. Ein Dominoeffekt wäre verheerend, ein so grosses Hilfspaket kaum zu schnüren.

Von Marco Metzler

In den nächsten drei Jahren müssen die Euro-Länder Portugal, Italien, Irland, Griechenland und Spanien (jüngst auch unter dem Akronym «PIIGS» zu wenig schmeichelhafter Berühmtheit gelangt) einen riesigen Schuldenberg refinanzieren. Die Bank of America/Merrill Lynch schätzt, dass die fünf Länder in den nächsten drei Jahren insgesamt 2000 Mrd. Euro an Schulden refinanzieren müssen.

Schwergewicht Italien

Mehr als die Hälfte der in den nächsten drei Jahren zu refinanzierenden Staatsschulden der «PIIGS»-Staaten – nämlich 1065 Mrd. Euro – entfallen demnach auf Italien. Im Verhältnis zum Bruttoinlandprodukt weist Italien eine höhere Staatsschuld als Griechenland aus, allerdings liegt die Neuverschuldung mit rund 5 Prozent deutlich tiefer.

An zweiter Stelle folgt Spanien mit einem Refinanzierungsbedarf von 546 Mrd. Euro. Das derzeit unter grossem Druck stehende Griechenland muss 153 Mrd. Euro refinanzieren – die Zahl entspricht lediglich knapp 8 Prozent des gesamten «PIIGS»-Refinanzierungsbedarfs. Portugal braucht in den nächsten drei Jahren 88 Mrd. Euro. Irland wird 80 Mrd. Euro benötigen.

Das Rettungspaket von EU und Internationalem Währungsfonds (IMF) für Griechenland beträgt 110 Mrd. Euro, was rund 72 Prozent der in den nächsten drei Jahren zu refinanzierenden griechischen Schuld entspricht. 30 Mrd. Euro übernimmt der IMF und 22,4 Mrd. Euro Deutschland. Der Fehlbetrag von 43 Mrd. Euro wird Griechenland an den Finanzmärkten auftreiben müssen. Die Märkte hegen derzeit aber Zweifel, ob dies Griechenland gelingen wird, und verlangen hohe Renditen für das eingegangene Risiko.
Gefährliche Ansteckung

Angesichts der Zahl von insgesamt 2000 Mrd. Euro Schulden sind die Märkte aber noch stärker besorgt über eine mögliche Ansteckung weitere «PIIGS»-Länder mit dem griechischen Virus. Folgendes Zahlenspiel ist eine reine Hochrechnung auf Grund des Griechenland-Hilfspakets. Sie ist fiktiver Natur und entspricht dem unwahrscheinlichen Worst-Case-Szenario.

Nimmt man wie bei Griechenland ein Rettungspaket in der Höhe von 72 Prozent der zu refinanzierenden Gesamtschuld, ergäbe dies im absoluten schlimmsten Fall Bedarf für Hilfskredite in der Höhe von rund 1440 Mrd. Euro. Die restlichen 560 Mrd. müssten die peripheren Euro-Länder über die Finanzmärkten finanzieren.

Nimmt man den gleichen Schlüssel zwischen EU und IMF an, dann würden 393 Mrd. Euro auf den IMF entfallen. Der IMF hat derzeit eine Kriegskasse für Länder in Zahlungsschwierigkeiten von 248 Mrd. Euro zur Verfügung. In dem erwähnten Worst-Case-Szenario müsste dem Währungsfonds also von den IMF-Mitgliedern weitere 150 Mrd. Euro an Mitteln zufliessen. Die EU würde 1047 Mrd. Euro an Hilfskrediten sprechen. Deutschland müsste insgesamt 213 Mrd. Euro beisteuern. Angesichts solcher Zahlen fragt man sich, woher diese Gelder überhaupt kommen sollten und ob solch grosse Hilfspakete politisch überhaupt umsetzbar wären.
Finanzmarkt als Retter

Zu einem solchen Szenario dürfte es aber nicht kommen, da die verschuldeten Staaten derzeit sparen, um die Defizite abzubauen. Bei einer Eskalation würde die EU sicherlich auch angesichts des kaum allein durch Hilfskredite zu bewältigenden riesigen Refinanzierungsbedarfs andere Lösungen und Massnahmen suchen – sei dies durch Umschuldung, dem Ausschluss eines Landes aus der Euro-Zone oder durch den Staatsbankrott eines Euro-Landes.

Die riesigen Summen zeigen dennoch, wieso die Finanzmärkte so nervös auf eine Ansteckungsgefahr reagieren und wieso die Renditen weiter steigen. Es bleibt zu hoffen, dass das Hilfspaket im Falle Griechenlands und die Sparanstrengungen des Landes nachhaltig dazu beitragen, dass sich die Finanzmärkte wieder beruhigen. Wenn die anderen «PIIGS» den griechischen Warnruf jetzt auch ernst nehmen und ebenfalls einen harten Sparkurs verfolgen, dann dürfte eine weitere Ansteckung ausbleiben, so dass sich die «PIIGS» auch künftig weiterhin an den Finanzmärkten refinanzieren vermögen. Die Renditen dürften aber kaum mehr auf das Vorkrisenniveau zurückkehren, weil die Marktteilnehmer künftig die Augen vor den möglichen Risiken nicht mehr verschliessen werden.

Spanien placiert Staatsanleihen

(ddp) Spanien hat erfolgreich Staatsanleihen im Umfang von 2,345 Mrd. Euro am Markt placiert. Die Anleihe war nach Angaben des Finanzministeriums überzeichnet, geboten wurden 5,522 Mrd. Euro. Allerdings forderten die Anleger für die Fünf-Jahres-Anleihen eine Rendite von durchschnittlich 3,58 Prozent. Bei der letzten Emission im März musste Spanien nur einen Zinssatz von 2,84 Prozent bieten. Die Ratingagentur Standard & Poor’s hatte die Kreditwürdigkeit Spaniens in der vergangenen Woche von AA+ auf AA herabgestuft.


Deutschland: Banken sollen mehr griechische Staatsanleihen kaufen…

“Freiwillig” natürlich… ;-) Aber nicht nur deutsche Banken – auch Versicherer und sogar ein Industrieunternehmen sollen sich bereit erklärt haben, griechische Staatsanleihen zu kaufen, um den Markt zu stützen. Na dann – wohl bekomm’s! :-) Auch interessant: im aktuellen Gesetzentwurf für die Griechenlandhilfen ist nur die Unterstützung für 2010 erwähnt – 2011 und 2012 wurden wohlweislich aus dem Text herausgenommen!

Gefunden bei fr-online.de:

Griechenland-Hilfe

Deutschland plant nur für 2010

Von Antje Schüddemage

Frankfurt a.M. Die Bundesregierung prüft, die Milliardenhilfen für Griechenland zunächst nur für das laufende Jahr 2010 per Gesetz zu beschließen. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa werden im aktuellen Gesetzentwurf die Belastungen für die Folgejahre 2011 und 2012 überhaupt nicht mehr erwähnt. In früheren Entwürfen waren in Klammern undefinierte XX-Milliardenwerte aufgeführt worden.

Die deutschen Finanzinstitute sind bereit zu einer Beteiligung an den Hilfen für Griechenland. Ein Konsortium aus einer Handvoll Banken, Versicherer und bisher einer Industriefirma habe bislang Gelder von ein bis zwei Milliarden Euro informell zugesagt, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters.

Um welche Art der Hilfen es sich dabei handle, sei im Detail noch nicht geklärt. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann helfe bei der Zusammenstellung des Rettungspakets. Der Schweizer sei nach Beratungen mit Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble tätig geworden. Ein Deutsche-Bank-Sprecher lehnte einen Kommentar ab.

Eine andere mit den Plänen der Banken vertraute Person fügte hinzu, eine freiwillige Beteiligung der Institute an den Hilfen für das schuldengeplagte Griechenland “sei eine sehr intelligente Lösung”. Es müsse ein Betrag von sechs bis sieben Milliarden Euro zusammenkommen, um ein symbolisches Zeichen zu setzen.

Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hält einen freiwilligen Beitrag deutscher Banken für denkbar. Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) sprach sich ebenfalls dafür aus. “Freiwillig ist immer besser als Zwang”, sagte er in Lissabon nach Gesprächen mit der portugiesischen Regierung. “Jeder Euro, der zusätzlich kommt, ist ein Euro mehr.” Außenminister Guido Westerwelle (FDP) sagte dem Sender RTL, er gehe davon aus, dass Banken in Europa ihren Beitrag leisten wollen und leisten werden.

Mehrere Bundestagsfraktionen haben die Beteiligung der Banken zur Bedingung für ihre Zustimmung zum Rettungspaket gemacht. Sie wollen verhindern, dass allein die Steuerzahler das Risiko tragen müssen. Schäuble will sich mit seinen Länderkollegen während des Wochenendes eng abstimmen.

Die Bemühungen um eine Beteiligung des Finanzsektors werden offenbar von Deutschland vorangetrieben. Auf europäischer Ebene gebe es keine entsprechenden Pläne, sagten weitere mit der Angelegenheit vertraute Personen.

Im Gespräch ist Kreisen zufolge unter anderem, dass sich Banken an den Milliardenhilfen beteiligen, in dem sie Anleihen der Hellenen aufkaufen. Der Internationale Währungsfonds (IWF), die EZB und die EU-Kommission verhandeln derzeit mit der Regierung Griechenlands über die Bedingungen für das milliardenschwere Kreditpaket, mit dem das hoch verschuldete Euroland vor der Staatspleite bewahrt werden soll. .

Heikles Projekt

Ackersmann Privathilfe ist ein heikles Projekt. Umschuldung – seit Tagen ist der Begriff in aller Munde, wenn es um Griechenlands geht. Deutsche Politiker fordern sie, weil damit eine Beteiligung der Gläubiger des Landes sichergestellt würde – das möchte der Steuerzahler hören.

Viele Banken wehren sich bisher gegen einen solchen Schritt, sie fürchten erneute Abschreibungen in Milliardenhöhe. Und Ökonomen warnen vor ihr, weil die Ansteckungsgefahr für andere hoch verschuldeten Euro-Staaten zu hoch sei.

Doch was verbirgt sich eigentlich hinter dem Begriff? Bei einer Umschuldung würde Griechenland seine Schulden umstrukturieren, noch bevor es eine fällige Zahlung schuldig bleiben müsste – entweder im Einverständnis mit seinen Gläubigern oder auch gegen deren Willen. Dabei müssten die Besitzer griechischer Staatsanleihen einen Abschlag auf ihren Kredit hinnehmen, einen sogenannten Hair Cut.

Darüber, wie hoch ein solcher Schnitt ausfallen könnte, sind sich Experten uneins: Die Ratingagentur Standard & Poor’s rechnet mit einem Verlust für die Anleihegläubiger von 50 bis 70 Prozent, der Chefökonom der Citibank, Willem Buiter, geht von einer Herabstufung des Wertes um lediglich 20 bis 30 Prozent aus. Erfahrungswerte aus früheren Staatsschuldenkrisen legen eher höhere als niedrige Verluste nahe. So betrug nach Berechnungen der Ratingagentur Moody’s der Abschlag auf argentinische Papiere 2001 durchschnittlich 73 Prozent des Nennwertes, in der Russlandkrise 1998 gar 82 Prozent.

Für die sich gerade erholende Bankenbranche wäre das eine Katastrophe. Allein deutsche Banken sind mit rund 43 Milliarden Euro in Griechenland engagiert, der erneute Abschreibungsbedarf wäre entsprechend hoch. Damit wäre eine neue Bankenkrise unausweichlich, die allerdings von den folgenden Finanzproblemen der anderen hoch verschuldeten Euro-Staaten, den sogenannten PIIGS-Staaten, noch übertroffen würden.

Längere Laufzeiten

Bleibt die Frage, ob es eine bessere Lösung für das griechische Schuldendesaster gibt. Eine Möglichkeit könnte sein, aus Staatsanleihen mit kurzer Laufzeit einfach Langläufer zu machen. “Das würde den Druck von den Griechen nehmen, jetzt wieder Geld beschaffen zu müssen”, sagt Hans- Peter Burghof, Bankenexperte an der Universität Stuttgart-Hohenheim auf Anfrage der FR.

Allerdings gibt es einen Haken: Staatsanleihen, die über mehrere Jahrzehnte laufen, unterliegen normalerweise einer wesentlich höheren Verzinsung als Kurzläufer. Eine solche höhere Verzinsung könnte Griechenland aber gar nicht stemmen. Die Staatsanleihen müssten also zum bestehenden Zins verlängert werden.

“Auch dieses Szenario würde einen Forderungsverzicht der Banken bedeuten, was wiederum zu einem großen Abschreibungsbedarf der Institute führen würde”, gibt Burghof zu bedenken. Eine einfache Rechnung verdeutlicht das Ausmaß: Bei einer Anleihe im Wert von 100 Euro mit einer Laufzeit von 50 Jahren verliert der Gläubiger bei einem Zins von drei Prozent statt einem Marktzins von angenommenen sechs Prozent satte 47,29 Euro.

Der Abschreibungsbedarf wäre entsprechend hoch, wenn die Papiere im Handelsbuch zum Zeitwert (Fair Value) bewertet werden müssten. Das Ergebnis ist klar: Das Signal an die Märkte wäre kaum ein anderes als bei einer Umschuldung.

Was für Griechenland und den Euro am Ende bleibt , ist also die Hilfe der Euro-Länder. Und, so Burghof, “sparen und die Staatseinnahmen erhöhen”.

Mehrheit der Griechen für Proteste gegen Sparpläne

Die griechische Regierung bekräftigt ihren Willen, dem innenpolitischen Druck nicht nachgeben zu wollen. Die Sparmaßnahmen seien nötig, damit Griechenland auf eigenen Füßen stehen könne, sagte Ministerpräsident Giorgos Papandreou vor dem Parlament. Das Überleben des Landes habe oberste Priorität.

Nach den Worten des stellvertretenden Finanzministers Philippos Sachinidis kann das Land mit Hilfen im Volumen von bis zu 120 Milliarden Euro über einen Zeitraum von drei Jahren rechnen. Allerdings droht den Sparplänen großer Widerstand in der Bevölkerung.

Einer Umfrage zufolge wollen mehr als die Hälfte der Griechen gegen neue Einschnitte protestieren. Der Rückhalt für die sozialistische Regierung fällt demnach auf knapp 30 Prozent. Fast 50 Prozent der Befragten sind für eine Regierung der nationalen Einheit. (mit rtr/dpa)


Griechenland: Rettungspaket beschlossene Sache…

… zumindest laut IWF und EZB: demnach soll es ein “Dreijahres”-Bailout geben, zu dem allein Deutschland bis zu 30 Mrd. EUR beisteuern wird. Insgesamt sind zwischen 120 und 150 Mrd EUR fällig (variiert je nach Quelle), um sämtliche anfallenden Anleihen der nächsten drei Jahre zu refinanzieren! Siehe auch “Griechenland: “Eigentlich hilft nur eine Umschuldung – mit Verzicht der Gläubiger”” und “Griechenland: Die “Retter” wollen vor allem sich selbst retten!“.

Gefunden bei handelsblatt.com:

28.04.2010 16:37 Uhr, aktualisiert 28.04.2010 18:51 Uhr

Gipfel zu Griechenland-Rettung: Bund drohen Belastungen bis 30 Milliarden Euro

Auf den dramatischen Hilfsappell Griechenlands folgen die Reaktionen. Laut Bundeskanzlerin Merkel wird sich Deutschland bei entsprechenden Rettungsprogrammen der Verantwortung stellen – Wirtschaftsminister Brüderle spricht von Kosten bis zu 30 Milliarden Euro. IWF-Chef Strauss-Kahn und EZB-Trichet trafen sich bereits mit Finanzminister Schäuble und Vertretern der Bundestagsfraktionen.

HB BERLIN/ATHEN. Deutschland wird für die Rettung des Pleitekandidaten Griechenland wesentlich tiefer in die Tasche greifen müssen als bislang bekannt: Nach Angaben ranghoher Bundestagsabgeordneter könnten binnen drei Jahren bis zu 25 Mrd. Euro auf die Konten des klammen Mittelmeerlandes fließen. Insgesamt sollen IWF und Euro-Partner Griechenland mit dreistelligen Milliardenbeträgen vor dem Kollaps bewahren. Vertreter von IWF und Bundesregierung wollten die Zahlen am Mittwoch allerdings nicht bestätigen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat gefordert, dass die Verhandlungen über ein Hilfspaket für Griechenland beschleunigt zum Abschluss gebracht werden sollten. „Auf dieser Grundlage wird Deutschland seine Entscheidung treffen“, sagte die Kanzlerin am Mittwoch nach einem Treffen mit dem Präsidenten des Internationalen Währungsfonds, Dominique Strauss-Kahn. Es gehe um die Verantwortung für die gesamte Eurozone. „Und dieser Verantwortung werden wir uns nicht entziehen.“ Merkel beharrte trotz der Unsicherheit auf den Finanzmärkten darauf, dass Voraussetzung für die Hilfe aber weiterhin sei, dass Griechenland ein „anspruchsvolles Reformprogramm akzeptiere. Sie sei sich mit Strauss-Kahn einig, dass nur so das Vertrauen der Märkte wieder hergestellt werden könne.

Der IWF-Chef seinerseits äußerte sich zuversichtlich, dass ein Programm in den kommenden Tagen abgeschlossen werden könne und Griechenland alle Kredite zurückzahle. Griechenland habe keine leichte Aufgabe, aber sei entschlossen, diese zu erfüllen. „Es ist eine ernste Situation nicht nur für Griechenland, sondern für die Stabilität des Euro“, sagte der IWF-Chef. Er betonte, dass es bei der ganzen Debatte nicht darum gehe, Griechenland umsonst zu helfen: „Es geht nicht um Zuweisungen, sondern Kredite, die zurückbezahlt werden.“ Ein starkes Engagement der Eurogruppe, des IWF und Griechenlands könne das Vertrauen in den Märkten wieder herstellen. „Bisher gab es kein IWF-Programm, in dem die Kredite nicht zurückgezahlt worden sind“, betonte der IWF-Chef auf die Frage, ob eine Rückzahlung wahrscheinlich sei.

Merkel verteidigte die strenge Prüfung durch EZB, IWF und EU-Kommission. Schon im Jahr 2000 habe man sich in der EU mit dem Thema Griechenland beschäftigt, als es um den Beitritt des Landes zur Eurozone ging. „Es hat sich damals erwiesen, dass die Entscheidung damals vielleicht nicht tief genug geprüft wurde“, sagte Merkel. Damit wies die Kanzlerin der damaligen rot-grünen Regierung eine Mitverantwortung für die heutigen Probleme zu. Bereits am Mittwochvormittag hatte der CSU-Politiker Hans Michelbach SPD und Grüne vorgeworfen, 2001 Griechenland leichtfertig den Weg in den Euro geebnet zu haben.

Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) sprach in Brasilien von insgesamt 135 Milliarden Euro Finanzierungsbedarf bis 2012. Auf Deutschland kommen nach Angaben Brüderles 25 bis 30 Milliarden in diesem Zeitraum zu. EU und IWF teilen sich die Summe nach bisheriger Verabredung im Verhältnis 2:1. Die EU sollte bisher 30 Milliarden in diesem Jahr tragen, der IWF bis zu 15 Milliarden Euro. Die jährliche Belastung für Deutschland liege aktuell bei 8,4 Milliarden Euro. Die Risiken könnten aber weit größer sein: „Ich kann nicht ausschließen, dass es ein höherer Betrag wird“, sagte Brüderle in Sao Paulo.

Angesichts der zugespitzten Lage trafen sich Strauss-Kahn, EZB-Präsident Jean-Claude Trichet und Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble in Berlin mit den Chefs der Bundestagsfraktionen, um diese von der Dringlichkeit des Hilfsplans zu überzeugen. Im Anschluss berichteten Teilnehmer, EU und IWF wollten das Rettungspaket für einen Zeitraum von drei Jahren auf 100 bis 120 Mrd. Euro aufstocken. Damit wäre der für 2010 festgezurrte Betrag von 45 Mrd. Euro nur eine Art Starthilfe. EU und IWF müssten ihre Hilfe deutlich aufstocken. Schon in diesem Jahr sei ein zusätzlicher zweistelliger Milliarden-Betrag nötig. In der FDP hieß es, die von der Opposition verbreiteten Zahlen seien so in den Gesprächen weder von Strauss-Kahn noch von Trichet genannt worden. Auch andere Teilnehmer sagten, ein Betrag stehe noch nicht fest, was Trichet und Strauss-Kahn auch klargemacht hätten. Der FDP-Haushaltsexperte Otto Fricke sagte, die 120 Mrd. Euro seien nur eine Beispielrechnung gewesen. Zunächst müssten die Verhandlungen in Athen abgewartet werden.

Nach anfänglichem Zögern will die Bundesregierung den Griechen nun über Jahre mit Milliardenhilfen beistehen: Geplant ist neben der Bürgschaft für Kredithilfen von 8,4 Mrd. Euro in diesem Jahr die Absicherung weiterer Milliardenkredite für den EU-Partner in den kommenden beiden Jahren. Dies geht aus einem Reuters vorliegenden Gesetzentwurf hervor, der von den Koalitionspartnern aber noch abgestimmt werden muss.

Trichet und Strauss-Kahn informierten die Bundestagsfraktionen über die Krisenhilfe, die den Weg aus der griechischen Schuldenfalle ebnen sollen. Die beiden schwiegen sich mit Hinweis auf die noch laufenden Verhandlungen in Athen über die Summe jedoch noch aus. Zugleich beschworen sie den Bundestag, die Hilfen für die in Bedrängnis geratenen Griechen rasch freizugeben. Das Vertrauen der Euro-Zone stehe auf dem Spiel, und jeder Tag Verzögerung verschlechtere die Situation, sagte Strauss-Kahn. Auch aus Athen kam ein dringender Hilferuf: „Europa und die Euro-Zone müssen handeln, um das von der Krise ausgelöste Feuer zu löschen und ein Übergreifen auf das übrige Europa zu verhindern“, mahnte Ministerpräsident Giorgos Papandreou.

Die Oppositionsparteien im Bundestag haben ihre Zustimmung zum Griechenland-Hilfspaket jedoch an Bedingungen geknüpft. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Bundestag bis zu 25 Mrd. Euro für drei Jahre bewilligt, ohne dass gleichzeitig durchgreifende Maßnahmen gegen die Spekulation auf Devisen- und Finanzmärkten ergriffen werden“, sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Thomas Oppermann. „Die Politik darf sich nicht ein zweites Mal nach der Lehman-Pleite ohne Folgen von den Märkten erpressen lassen.“

Zuletzt hatte sich die Lage Griechenlands zugespitzt, da seine Staatsanleihen von einer Ratingagentur auf Ramsch-Status herabgestuft worden waren, so dass das Land am Kapitalmarkt praktisch kein frisches Geld mehr erhalten kann. Nach Bekanntgabe der Details zum Rettungsplan für die nächsten Jahre entspannte sich die Lage am Mittwoch etwas: Die Risikoprämien für die griechischen Bonds, die zuletzt auf immer neue Rekordhöhen gestiegen waren, gaben bis auf 735 Basispunkte nach. Auch der zuletzt immer stärker unter Druck geratene Euro legte kurzfristig wieder zu.

„Wenn dieses Paket durchgeht, wäre Griechenland für drei Jahre aus dem Schneider. Aber inzwischen muss man das Wenn groß schreiben. Es müssen ja schließlich alle zustimmen“, sagte Ökonom Kornelius Purps von Unicredit. Wegen der Forderung der Opposition könnte zumindest der Plan der Bundesregierung scheitern, im Parlament eine möglichst breite Mehrheit für ein Griechenland-Paket zu erreichen.

Der Grünen-Fraktionsvorsitzende Jürgen Trittin forderte eine Zweckbindung und Erhöhung der geplanten Bankenabgabe. Auf einer Umschuldung bestanden die Fraktionen nach dem Gespräch mit Strauss-Kahn und Trichet aber offenbar nicht mehr. „Beide Präsidenten haben uns erklärt, dass aus ihrer Sicht eine Umschuldung kein Thema sein sollte“, sagte der haushaltspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Norbert Barthle.

Griechenland braucht bis zum 19. Mai dringend 8,5 Mrd. Euro für eine fällige Staatsanleihe. Nach der Herabstufung griechischer Staatsanleihen auf Schrottstatus durch die Ratingagentur S&P explodierten am Mittwoch die Zinssätze. Griechenland müsste derzeit mehr als 12 Prozent Zinsen anbieten, um an den Finanzmärkten frisches Geld zu bekommen. Das ist das Vierfache dessen, was Deutschland aufwenden muss.

Die derzeit laufenden Verhandlungen der Athener Regierung mit dem IWF und der EU-Kommission über ein Sparpaket für 2011 und 2012 sollen am 2. Mai abgeschlossen werden. Im Anschluss will die Regierung den Gesetzesentwurf auf den Weg bringen, wie Schäuble ankündigte.


Portugal herabgestuft – Griechenland nur noch “Ramsch”

S&P hat das Rating für Griechenland nochmals abgesenkt – von BBB+ auf BB+ mit negativem Ausblick. Das ist Junk, bzw. “Ramsch”-Status! Als Reaktion darauf schossen die Zinsen für z.B. 2-jährige griechische Staatsanleihen auf neue Rekordwerte (18%!). Zusätzlich wurde auch das Rating von Portugal heruntergestuft – woraufhin sowohl der Euro als auch die Börsen einbrachen (DAX z.B. -2,7%)!

Erinnern möchte ich bei dieser Gelegenheit auch nochmal an den Cartoon aus einem früheren Post: Europa: Andere stehen schon Schlange…

Gefunden bei boerse.ard.de:

27.04.2010 17:49

Portugal herabgestuft – Griechenland nur noch “Ramsch”

Nach Griechenland nehmen die Investoren jetzt zunehmend Portugal ins Visier. Die Ratingagentur Standard & Poor’s hat die Kreditwürdigkeit des Landes heruntergestuft – und die Märkte in Schrecken versetzt.

Portugals Langzeit-Rating wurde um zwei Stufen auf “A-” von bisher “A+” gesenkt. Damit ist das Euro-Land noch vier Stufen vom spekulativen “Ramsch-Status” entfernt. S&P erklärt die Entscheidung mit wachsenden Zweifeln an der Fähigkeit Portugals, mit seiner enormen Schuldenlast fertig zu werden. Der Ausblick sei negativ. Auch die schwachen Konjunkturaussichten hätten zu der Entscheidung beigetragen. Zudem könnte das Rating weiter gesenkt werden, wenn das Defizit und die Schulden höher als erwartet ausfallen.

Zugleich senkte S&P das Rating griechischer Anleihen auf BB+/B, ebenfalls mit einem negativen Ausblick. Mit dem Rating BB+ umschreibt die Agentur eine sehr mäßige Deckung von Zins und Tilgung, auch in gutem wirtschaftlichem Umfeld. An den Finanzmärkten wird ab dieser Bonitätsstufe von “Junk-” beziehungsweise “Ramsch”-Status gesprochen.

Finanzmärkte in Aufruhr

An den Finanzmärkten sorgte die Nachricht für schwere Turbulenzen. Selbst die Aktienmärkte, die zuletzt vergleichsweise immun gegen die Sorgen um die Zahlungsfähigkeit der südlichen EWU-Länder gewesen waren, reagierten heftig. Der Dax brach bis zum Ende des elektronischen Handels um 2,7 Prozent ein. Die Börse in Lissabon stürzte zum Handelsschluss um 5,36 Prozent ab. Am Devisenmarkt geriet der Euro weiter unter Druck und rutschte unter 1,3260 Dollar.

Tatsächlich drängt sich zusehends ein noch größeres Problem in den Vordergrund: Geraten nach Griechenland weitere europäische Länder auf die Abschussliste der Investoren, nachdem Athen in die rettenden Arme Europas und des Internationalen Währungsfonds (IWF) geflüchtet ist? Was auf den ersten Blick angesichts der Solidarität Europas mit Athen unwahrscheinlich erscheint, könnte sich als Trugschluss erweisen. Experten fragen sich, ob mit Griechenland ein Präzedenzfall geschaffen wurde, auf den sich nicht nur andere angeschlagene Staaten, sondern auch die Akteure an den Finanzmärkten berufen können.

Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker wollte sich nicht dazu äußern. Angesprochen auf die schlechtere Bewertung der Ratingagentur Standard & Poor’s für Portugal, das von der Schuldenkrise Griechenlands in Mitleidenschaft gezogen wird, sagte Juncker, die Lage dort sei anders als in Griechenland.

lg/la


Europa: “Spanien könnte die Solidarität der EU tatsächlich überfordern”

Auch eine interessante Aussage aus nachfolgendem Artikel – allerdings ist nicht ersichtlich, in welchem Kontext diese Aussage getätigt wurde:

“Steinbrück würde keine deutschen Regierungsanleihen mehr kaufen”

Gefunden bei handelsblatt.com:

26.04.2010 06:00 Uhr

Klaus Kaldemorgen: „Griechenland ist die Spitze des Eisbergs“

An den Bondmärkten wird es zu größeren Verwerfungen kommen. Das glaubt der Deutschland-Chef der Fondsgesellschaft DWS Klaus Kaldemorgen. Im Interview mit dem Handelsblatt spricht er über Schuldenpolitik und Anlagestrategien – und welches Potenzial er noch für den Dax bis zum Jahresende sieht.

von Ingo Narat

Handelsblatt: Herr Kaldemorgen, Griechenland oder Goldman, worüber sprechen wir zuerst?

Klaus Kaldemorgen: Zu Goldman Sachs kann ich wenig sagen. Die unterschiedlichen Auffassungen zum Sachverhalt und zur Rechtslage klaffen zwischen den Parteien weit auseinander. Kann das noch auf die Märkte durchschlagen? Schwer zu sagen. Anzunehmen ist, dass Verhaltensregeln und Standards für die Akteure zukünftig verschärft werden. Aber auf diesem Feld wird möglicherweise auch Politik gemacht. Man fragt sich beispielsweise, warum die ganze Diskussion nach eineinhalb Jahren direkt vor Bekanntgabe der Goldman Sachs Gewinnzahlen hoch kocht.

Und der Euro-Kollaps auf unter 1,33 Dollar?

Natürlich wegen Griechenland: Aber Griechenland ist nicht das entscheidende Problem. Es ist tragisch, dass die Staaten die Wirtschaft gerettet haben, aber genau dadurch in die Krise geschlittert sind. Warum? Durch direkte Staatshilfen und Ausgabenprogramme. Sie haben ihre Finanzlage maßlos überstrapaziert. Griechenland ist die Spitze des Eisbergs. Andere Staaten werden je nach Finanzsituation die Skepsis der Kapitalmärkte noch zu spüren bekommen. Man muss bei den Anleihen ja nur auf die explodierenden Renditen schauen. Die Investoren nehmen eben erst die schwächsten Länder aufs Korn, dann die schwächeren.

Bewegen wir uns jetzt in einer Spirale abwärts?

Die aufgeblähten Staatsschulden belasten das künftige Wirtschaftswachstum. Die Staaten werden durch den wachsenden Schuldendienst in ihrer Flexibilität eingeschränkt und entziehen der Wirtschaft Nachfrage über den Druck zur Haushaltskonsolidierung Kaufkraft. An diesem Punkt wird es tragisch, denn in der prekären Lage brauchen die Länder dringend Wachstum. Nur Wachstum könnte sie aus dem Schlamassel heraus holen. Aber mit der Schuldenpolitik tun sie genau das Gegenteil und schwächen die Wirtschaft.. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis es auch uns in Deutschland trifft. Ein politischer Königsweg wäre natürlich ein bisschen mehr Inflation. Darüber mag aber niemand laut nachdenken.

Bis wann läuft unsere Gnadenfrist?

Erst spielen die Investoren die Zinsunterschiede wie jetzt im Fall Griechenland und anderer Eurozonen-Länder. Aber in möglicherweise einem Jahr sind auch wir an der Reihe. Dann steigen auch die deutschen Renditen. Nicht ohne Grund hat der frühere Bundesfinanzminister Peer Steinbrück in einem Interview mit unserem Hause gerade gesagt, er würde keine deutschen Regierungsanleihen mehr kaufen. Man mache sich das einmal klar: Das sagt jemand, der vor kurzer Zeit noch für die Finanzen unseres Landes verantwortlich war.

Was ist die beste, was die schlechteste Währung?

Im Moment wird auf den Devisenmärkten Not gegen Elend gespielt. Unter Euro, Dollar, Yen ist keiner besser, die sind alle schlechter. Ich könnte mir vorstellen, dass vor allem der Yen demnächst ins Fadenkreuz kommt.. In Japan sieht es viel schlimmer aus als in Griechenland. Mit etwas Abstand kann man sagen: Alle die genannten Währungen der Industrieländer kommen unter Druck, weil sich das Wachstum in die Schwellenländer verlagert hat.

Der Euro kippt, aber vor einigen Monaten haben Sie noch einen starken Euro bei 1,60 Dollar gesehen …

An den Devisenmärkten werden augenblicklich die aktuellen Probleme in der Eurozone besonders stark beachtet. Treten diese in den Hintergrund werden die weiterhin schwelenden Ungleichgewichte der USA wieder mehr Aufmerksamkeit bekommen. Seien es die Probleme am US-Immobilienmarkt, die prekäre Finanzlage Kaliforniens oder das Budget- und Handelsbilanzdefizit.. Der Trend kann schnell wieder drehen. Dazu passt übrigens die relative Gold-Stärke. In der Krise suchen die Anleger sichere Häfen außerhalb der Weltleitwährungen. In Euro erreicht das Gold augenblicklich fast täglich neue Höchstpreise.

Und Griechenland? Schlittert das Land in die Pleite?

Rein ökonomisch hat das Land bereits die Schwelle überschritten um aus eigener Kraft aus der Schuldenfalle herauszukommen. Eigentlich müsste es einen Kapitalschnitt machen und seine Schulden um 30 bis 40% reduzieren. Aber politisch ist die Zahlungsunfähigkeit natürlich keine Alternative. Die Gemeinschaft kann ein Auseinanderfallen der Währungsunion nicht zulassen. Sie wird wie im Fall der Finanzkrise versuchen, ein kurzfristiges Problem in einen langfristiges zu transformieren. Es geht nicht anders. Was würde sonst passieren? Griechenland fällt, Rückkehr zu nationalen Währungs-Regimes, Europa verliert sein Gewicht im internationalen politischen Dialog.

Herr Steinbrück würde keine deutschen Anleihen mehr kaufen. Würden Sie griechische Titel mit neun Prozent Rendite kaufen?

Bei entsprechender Risikobereitschaft sind kurzlaufende griechische Anleihen interessant. Auf jeden Fall interessanter als die nächsten Wackelkandidaten. Spannend wird es, wenn Spanien in den Blickpunkt rückt. Die Spanier haben noch keine Einschnitte bei ihren Ausgaben gemacht, obwohl sich ein hohes Defizit mit einem sehr schwachen Immobilienmarkt paart. Die nächste Spekulationswelle könnte gegen Spanien laufen. Und das hätte das Potenzial für ein richtig großes Problem, welches die Solidarität der EU dann tatsächlich überfordern könnte.

Können die Zentralbanken unter diesen Vorzeichen überhaupt aus der Null-Zins-Politik aussteigen?

Die niedrigen kurzfristigen Zinsen werden uns längere Zeit erhalten bleiben. Schließlich können die Zentralbanken den Politikern nicht in den Rücken fallen. Höhere Zinsen würden die Wirtschaft abwürgen und das Schuldenproblem noch weiter eskalieren lassen. Dies ist natürlich ein goldgerändertes Szenario für den Aktienmarkt. Wo sollen die Anleger hin mit dem Geld? Cash bringt Null, Staatsanleihen bergen Verlustrisiken.

Wie attraktiv sind Staatsanleihen überhaupt noch?

Im vergangenen Jahrzehnt haben Aktien gemessen am MSCI Welt 27% verloren, mit Anleihen hat man ca. 35 Prozent verdient. Jetzt beginnt es zu drehen. Aktien werden aufholen. Staatsanleihen finde ich unattrakti, da sehen selbst Unternehmensanleihen besser aus.Nicht umsonst ist die Rendite einer Telefonica, der spanischen Telefongesellschaft, niedriger als die Rendite der spanischen Staatsanleihe. Das sagt etwas über die Attraktivität. Der Trend ist: Gute Unternehmen in schwachen Ländern werden sich leichter refinanzieren können als der Staat.

Was ist Ihrer Meinung nach am attraktivsten?

Der Vergleich Aktiendividende mit Anleiherendite spricht ganz klar für Dividendenaktien. Die Aktie der Deutsche Telekom wirft mittlerweile 7,5 Prozent Rendite ab, ihre Anleihe nur 3,5 Prozent. Bei anderen Unternehmen ist es ähnlich. Nebenbei sind die Dividendenrenditen häufig wesentlich höher als die Staatsanleihenrenditen. Da wir Aktien mit einer hohen Dividendenrendite gerade für risikoscheue Anleger als einen attraktiven Zugang zum Aktienmarkt sehen, setzen wir uns als DWS bei den Unternehmen für nachhaltige Dividenden ein. Wir versuchen den Unternehmen zu vermitteln, das gerade in Zeiten niedriger Zinsen eine hohe Präferenz der Anleger bezüglich einer Dividende besteht. Die Telekom hat dies aufgenommen und bereits für die nächsten beiden Jahre eine stabile Dividende in Aussicht gestellt. Eine Bundesanleihe mit vergleichbarer Restlaufzeit von drei Jahren bringt nur 1,5 Prozent Rendite. Die müsste ich also fünf Jahre halten, um mit der Telekom-Rendite eines Jahres gleichzuziehen.

Und wie geht es weiter mit dem Dax?

Die Unternehmen haben sich dem schwierigen konjunkturellen Umfeld hervorragend angepasst. Dies wird trotz stagnierender Umsätze durch die wieder steigenden Gewinne belegt In den vergangenen Monaten hat der Markt stark unterschieden. Konjunktursensible Firmen haben kräftig zugelegt, während defensive Branchen sich unterdurchschnittlich entwickelt haben. Verantwortlich für die steigenden Kurse waren vorwiegend. Großinvestoren. Diese gehen etwas mehr Risiko ein. Professionelle Anleger stehen unter Performancedruck und müssen investieren. Privatanleger dagegen halten sich zurück, weil sie in einer Dekade zwei gewaltige Einbrüche verkraften mussten. Aber wenn sie investieren, machen sie es richtig, nach dem Motto: Ich will dabei sein, aber mit begrenztem Risiko. Eine solche Strategie ist beispielsweise der Kauf von Aktien mit nachhaltig hohen Dividendenrenditen. Meine Dax-Prognose für dieses Jahr halte ich unverändert bei 6 500 Punkten, hoffe aber das Kursgewinne sich zukünftig etwas gleichmäßiger verteilen werden.

Bleiben Sie bullish für Rohstoffe?

Der Einfluss der Finanzinvestoren steigt. Deshalb ist der Markt schwer zu beurteilen. Gold und Öl sind für mich typische Inflationsindikatoren. Wenn sich diese Preise stärker nach oben bewegen, reflektiert dies steigende Inflationserwartungen bei den Investoren. Ansonsten sehe ich interessante Sonderbewegungen. Gas wird relativ zu Öl unter Druck bleiben, weil ein neues Förderverfahren in den USA für eine deutliche Zunahme des Angebots sorgt, was sich auch auf den europäischen Gaspreis auswirkt.

Welche Depotstruktur empfehlen Sie?

Die Hälfte des Kapitals würde ich in Aktien anlegen. Das sollten Titel mit hoher Dividendenrendite sein. Das kann man ergänzen mit Firmen, die vom Boom und vom steigenden Konsum in den Schwellenländern profitieren. In meinen Fonds habe ich Titel wie Siemens, ABB, Maschinenbauer, oder den Kosmetikvertreiber Avon, der in China groß im Geschäft ist. In Zukunft dürften wir Wachstumswerte in den Schwellenländern suchen, typische Value- und damit Substanztitel in den Industrieländern. Die andere Hälfte des Depots würde ich auf Unternehmensanleihen, Schwellenländeranleihen und eine kleine Goldquote verteilen.

Und wie sieht es in Ihrem privaten Depot aus?

Ich bin Überzeugungstäter, deshalb sieht es dort ähnlich aus. Ich habe eigenes Geld im Akkumula, dem Aktienfonds, den ich auch selbst betreue, außerdem im Top Dividende der auf dividendenstarke Werte spezialisiert ist.. Eine interessante Beimischung wäre vielleicht noch ein Afrika-Fonds.

Ab wann war es klar, dass Ihre Berufsweg in die Finanzbranche führt?

Volkswirtschaft hat mir schon als Studium Spaß gemacht, deshalb habe ich nach einer Tätigkeit gesucht die sich möglichst hautnah am Wirtschaftsgeschehen orientiert wie zum Beispiel bei der Bundesbank. Das Angebot von der DWS hat mich allerdings besonders gereitzt.. Die Fondsbranche kannte damals praktisch niemand, das war sehr exotisch. Wenn den Leuten auf der Straße etwas dazu einfiel, dann der damalige Betrugsskandal IOS. Portfoliomanager war zu dieser Zeit überhaupt kein Berufsbild.

Können Sie sich noch an die erste Aktie erinnern, die Sie gekauft haben?

Das war Driefontein, eine südafrikanische Goldaktie. Es waren elf Aktien. Mit kleinen Verlusten bin ich davon gekommen.

Hintergrund

Der Manager Klaus Kaldemorgen, geboren 1953 in Essen, studierte von 1976 bis 1982 Volkswirtschaft. Er begann 1982 bei der DWS als Anleiheanalyst, wechselte 1983 als Fondsmanager auf die Aktienseite. 1991 übernahm er die Mitleitung des Aktienteams, 2002 dessen Gesamtleitung. Der auch von Konkurrenten geschätzte Kaldemorgen ist seit 2008 Sprecher der DWS Deutschland und im gesamten Asset-Management der Deutschen Bank verantwortlich für die Aktienstrategie.

Die Firma Das Deutsche-Bank-Fondshaus zählt zu den größten Vermögensverwaltern in Deutschland. Hierzulande steht die DWS für 141 Mrd. Euro an verwaltetem Kapital, weltweit für 272 Mrd. Euro.


Europa: “Spanien könnte die Solidarität der EU tatsächlich überfordern”

Auch eine interessante Aussage aus nachfolgendem Artikel – allerdings ist nicht ersichtlich, in welchem Kontext diese Aussage getätigt wurde:

Steinbrück würde keine deutschen Regierungsanleihen mehr kaufen

Gefunden bei handelsblatt.com:

26.04.2010 06:00 Uhr

Klaus Kaldemorgen: „Griechenland ist die Spitze des Eisbergs“

An den Bondmärkten wird es zu größeren Verwerfungen kommen. Das glaubt der Deutschland-Chef der Fondsgesellschaft DWS Klaus Kaldemorgen. Im Interview mit dem Handelsblatt spricht er über Schuldenpolitik und Anlagestrategien – und welches Potenzial er noch für den Dax bis zum Jahresende sieht.

von Ingo Narat

Handelsblatt: Herr Kaldemorgen, Griechenland oder Goldman, worüber sprechen wir zuerst?

Klaus Kaldemorgen: Zu Goldman Sachs kann ich wenig sagen. Die unterschiedlichen Auffassungen zum Sachverhalt und zur Rechtslage klaffen zwischen den Parteien weit auseinander. Kann das noch auf die Märkte durchschlagen? Schwer zu sagen. Anzunehmen ist, dass Verhaltensregeln und Standards für die Akteure zukünftig verschärft werden. Aber auf diesem Feld wird möglicherweise auch Politik gemacht. Man fragt sich beispielsweise, warum die ganze Diskussion nach eineinhalb Jahren direkt vor Bekanntgabe der Goldman Sachs Gewinnzahlen hoch kocht.

Und der Euro-Kollaps auf unter 1,33 Dollar?

Natürlich wegen Griechenland: Aber Griechenland ist nicht das entscheidende Problem. Es ist tragisch, dass die Staaten die Wirtschaft gerettet haben, aber genau dadurch in die Krise geschlittert sind. Warum? Durch direkte Staatshilfen und Ausgabenprogramme. Sie haben ihre Finanzlage maßlos überstrapaziert. Griechenland ist die Spitze des Eisbergs. Andere Staaten werden je nach Finanzsituation die Skepsis der Kapitalmärkte noch zu spüren bekommen. Man muss bei den Anleihen ja nur auf die explodierenden Renditen schauen. Die Investoren nehmen eben erst die schwächsten Länder aufs Korn, dann die schwächeren.

Bewegen wir uns jetzt in einer Spirale abwärts?

Die aufgeblähten Staatsschulden belasten das künftige Wirtschaftswachstum. Die Staaten werden durch den wachsenden Schuldendienst in ihrer Flexibilität eingeschränkt und entziehen der Wirtschaft Nachfrage über den Druck zur Haushaltskonsolidierung Kaufkraft. An diesem Punkt wird es tragisch, denn in der prekären Lage brauchen die Länder dringend Wachstum. Nur Wachstum könnte sie aus dem Schlamassel heraus holen. Aber mit der Schuldenpolitik tun sie genau das Gegenteil und schwächen die Wirtschaft.. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis es auch uns in Deutschland trifft. Ein politischer Königsweg wäre natürlich ein bisschen mehr Inflation. Darüber mag aber niemand laut nachdenken.

Bis wann läuft unsere Gnadenfrist?

Erst spielen die Investoren die Zinsunterschiede wie jetzt im Fall Griechenland und anderer Eurozonen-Länder. Aber in möglicherweise einem Jahr sind auch wir an der Reihe. Dann steigen auch die deutschen Renditen. Nicht ohne Grund hat der frühere Bundesfinanzminister Peer Steinbrück in einem Interview mit unserem Hause gerade gesagt, er würde keine deutschen Regierungsanleihen mehr kaufen. Man mache sich das einmal klar: Das sagt jemand, der vor kurzer Zeit noch für die Finanzen unseres Landes verantwortlich war.

Was ist die beste, was die schlechteste Währung?

Im Moment wird auf den Devisenmärkten Not gegen Elend gespielt. Unter Euro, Dollar, Yen ist keiner besser, die sind alle schlechter. Ich könnte mir vorstellen, dass vor allem der Yen demnächst ins Fadenkreuz kommt.. In Japan sieht es viel schlimmer aus als in Griechenland. Mit etwas Abstand kann man sagen: Alle die genannten Währungen der Industrieländer kommen unter Druck, weil sich das Wachstum in die Schwellenländer verlagert hat.

Der Euro kippt, aber vor einigen Monaten haben Sie noch einen starken Euro bei 1,60 Dollar gesehen …

An den Devisenmärkten werden augenblicklich die aktuellen Probleme in der Eurozone besonders stark beachtet. Treten diese in den Hintergrund werden die weiterhin schwelenden Ungleichgewichte der USA wieder mehr Aufmerksamkeit bekommen. Seien es die Probleme am US-Immobilienmarkt, die prekäre Finanzlage Kaliforniens oder das Budget- und Handelsbilanzdefizit.. Der Trend kann schnell wieder drehen. Dazu passt übrigens die relative Gold-Stärke. In der Krise suchen die Anleger sichere Häfen außerhalb der Weltleitwährungen. In Euro erreicht das Gold augenblicklich fast täglich neue Höchstpreise.

Und Griechenland? Schlittert das Land in die Pleite?

Rein ökonomisch hat das Land bereits die Schwelle überschritten um aus eigener Kraft aus der Schuldenfalle herauszukommen. Eigentlich müsste es einen Kapitalschnitt machen und seine Schulden um 30 bis 40% reduzieren. Aber politisch ist die Zahlungsunfähigkeit natürlich keine Alternative. Die Gemeinschaft kann ein Auseinanderfallen der Währungsunion nicht zulassen. Sie wird wie im Fall der Finanzkrise versuchen, ein kurzfristiges Problem in einen langfristiges zu transformieren. Es geht nicht anders. Was würde sonst passieren? Griechenland fällt, Rückkehr zu nationalen Währungs-Regimes, Europa verliert sein Gewicht im internationalen politischen Dialog.

Herr Steinbrück würde keine deutschen Anleihen mehr kaufen. Würden Sie griechische Titel mit neun Prozent Rendite kaufen?

Bei entsprechender Risikobereitschaft sind kurzlaufende griechische Anleihen interessant. Auf jeden Fall interessanter als die nächsten Wackelkandidaten. Spannend wird es, wenn Spanien in den Blickpunkt rückt. Die Spanier haben noch keine Einschnitte bei ihren Ausgaben gemacht, obwohl sich ein hohes Defizit mit einem sehr schwachen Immobilienmarkt paart. Die nächste Spekulationswelle könnte gegen Spanien laufen. Und das hätte das Potenzial für ein richtig großes Problem, welches die Solidarität der EU dann tatsächlich überfordern könnte.

Können die Zentralbanken unter diesen Vorzeichen überhaupt aus der Null-Zins-Politik aussteigen?

Die niedrigen kurzfristigen Zinsen werden uns längere Zeit erhalten bleiben. Schließlich können die Zentralbanken den Politikern nicht in den Rücken fallen. Höhere Zinsen würden die Wirtschaft abwürgen und das Schuldenproblem noch weiter eskalieren lassen. Dies ist natürlich ein goldgerändertes Szenario für den Aktienmarkt. Wo sollen die Anleger hin mit dem Geld? Cash bringt Null, Staatsanleihen bergen Verlustrisiken.

Wie attraktiv sind Staatsanleihen überhaupt noch?

Im vergangenen Jahrzehnt haben Aktien gemessen am MSCI Welt 27% verloren, mit Anleihen hat man ca. 35 Prozent verdient. Jetzt beginnt es zu drehen. Aktien werden aufholen. Staatsanleihen finde ich unattrakti, da sehen selbst Unternehmensanleihen besser aus.Nicht umsonst ist die Rendite einer Telefonica, der spanischen Telefongesellschaft, niedriger als die Rendite der spanischen Staatsanleihe. Das sagt etwas über die Attraktivität. Der Trend ist: Gute Unternehmen in schwachen Ländern werden sich leichter refinanzieren können als der Staat.

Was ist Ihrer Meinung nach am attraktivsten?

Der Vergleich Aktiendividende mit Anleiherendite spricht ganz klar für Dividendenaktien. Die Aktie der Deutsche Telekom wirft mittlerweile 7,5 Prozent Rendite ab, ihre Anleihe nur 3,5 Prozent. Bei anderen Unternehmen ist es ähnlich. Nebenbei sind die Dividendenrenditen häufig wesentlich höher als die Staatsanleihenrenditen. Da wir Aktien mit einer hohen Dividendenrendite gerade für risikoscheue Anleger als einen attraktiven Zugang zum Aktienmarkt sehen, setzen wir uns als DWS bei den Unternehmen für nachhaltige Dividenden ein. Wir versuchen den Unternehmen zu vermitteln, das gerade in Zeiten niedriger Zinsen eine hohe Präferenz der Anleger bezüglich einer Dividende besteht. Die Telekom hat dies aufgenommen und bereits für die nächsten beiden Jahre eine stabile Dividende in Aussicht gestellt. Eine Bundesanleihe mit vergleichbarer Restlaufzeit von drei Jahren bringt nur 1,5 Prozent Rendite. Die müsste ich also fünf Jahre halten, um mit der Telekom-Rendite eines Jahres gleichzuziehen.

Und wie geht es weiter mit dem Dax?

Die Unternehmen haben sich dem schwierigen konjunkturellen Umfeld hervorragend angepasst. Dies wird trotz stagnierender Umsätze durch die wieder steigenden Gewinne belegt In den vergangenen Monaten hat der Markt stark unterschieden. Konjunktursensible Firmen haben kräftig zugelegt, während defensive Branchen sich unterdurchschnittlich entwickelt haben. Verantwortlich für die steigenden Kurse waren vorwiegend. Großinvestoren. Diese gehen etwas mehr Risiko ein. Professionelle Anleger stehen unter Performancedruck und müssen investieren. Privatanleger dagegen halten sich zurück, weil sie in einer Dekade zwei gewaltige Einbrüche verkraften mussten. Aber wenn sie investieren, machen sie es richtig, nach dem Motto: Ich will dabei sein, aber mit begrenztem Risiko. Eine solche Strategie ist beispielsweise der Kauf von Aktien mit nachhaltig hohen Dividendenrenditen. Meine Dax-Prognose für dieses Jahr halte ich unverändert bei 6 500 Punkten, hoffe aber das Kursgewinne sich zukünftig etwas gleichmäßiger verteilen werden.

Bleiben Sie bullish für Rohstoffe?

Der Einfluss der Finanzinvestoren steigt. Deshalb ist der Markt schwer zu beurteilen. Gold und Öl sind für mich typische Inflationsindikatoren. Wenn sich diese Preise stärker nach oben bewegen, reflektiert dies steigende Inflationserwartungen bei den Investoren. Ansonsten sehe ich interessante Sonderbewegungen. Gas wird relativ zu Öl unter Druck bleiben, weil ein neues Förderverfahren in den USA für eine deutliche Zunahme des Angebots sorgt, was sich auch auf den europäischen Gaspreis auswirkt.

Welche Depotstruktur empfehlen Sie?

Die Hälfte des Kapitals würde ich in Aktien anlegen. Das sollten Titel mit hoher Dividendenrendite sein. Das kann man ergänzen mit Firmen, die vom Boom und vom steigenden Konsum in den Schwellenländern profitieren. In meinen Fonds habe ich Titel wie Siemens, ABB, Maschinenbauer, oder den Kosmetikvertreiber Avon, der in China groß im Geschäft ist. In Zukunft dürften wir Wachstumswerte in den Schwellenländern suchen, typische Value- und damit Substanztitel in den Industrieländern. Die andere Hälfte des Depots würde ich auf Unternehmensanleihen, Schwellenländeranleihen und eine kleine Goldquote verteilen.

Und wie sieht es in Ihrem privaten Depot aus?

Ich bin Überzeugungstäter, deshalb sieht es dort ähnlich aus. Ich habe eigenes Geld im Akkumula, dem Aktienfonds, den ich auch selbst betreue, außerdem im Top Dividende der auf dividendenstarke Werte spezialisiert ist.. Eine interessante Beimischung wäre vielleicht noch ein Afrika-Fonds.

Ab wann war es klar, dass Ihre Berufsweg in die Finanzbranche führt?

Volkswirtschaft hat mir schon als Studium Spaß gemacht, deshalb habe ich nach einer Tätigkeit gesucht die sich möglichst hautnah am Wirtschaftsgeschehen orientiert wie zum Beispiel bei der Bundesbank. Das Angebot von der DWS hat mich allerdings besonders gereitzt.. Die Fondsbranche kannte damals praktisch niemand, das war sehr exotisch. Wenn den Leuten auf der Straße etwas dazu einfiel, dann der damalige Betrugsskandal IOS. Portfoliomanager war zu dieser Zeit überhaupt kein Berufsbild.

Können Sie sich noch an die erste Aktie erinnern, die Sie gekauft haben?

Das war Driefontein, eine südafrikanische Goldaktie. Es waren elf Aktien. Mit kleinen Verlusten bin ich davon gekommen.

Hintergrund

Der Manager Klaus Kaldemorgen, geboren 1953 in Essen, studierte von 1976 bis 1982 Volkswirtschaft. Er begann 1982 bei der DWS als Anleiheanalyst, wechselte 1983 als Fondsmanager auf die Aktienseite. 1991 übernahm er die Mitleitung des Aktienteams, 2002 dessen Gesamtleitung. Der auch von Konkurrenten geschätzte Kaldemorgen ist seit 2008 Sprecher der DWS Deutschland und im gesamten Asset-Management der Deutschen Bank verantwortlich für die Aktienstrategie.

Die Firma Das Deutsche-Bank-Fondshaus zählt zu den größten Vermögensverwaltern in Deutschland. Hierzulande steht die DWS für 141 Mrd. Euro an verwaltetem Kapital, weltweit für 272 Mrd. Euro.


Europa: Zinsen für Staatsanleihen steigen weiter…

Trotz alle Rettungszusagen steigen die Zinsen für portugiesische und griechische Staatsanleihen immer weiter auf neue Rekordhöhen: der Index für 10-jährige griechische Staatsanleihen erreichte heute knapp 9,4%(!) und Portugal ist mittlerweile bei 5,2% angelangt…

Hier ein aktueller Snapshot des Zinsverlaufs – im Gegensatz zu den beiden verlinkten Charts am rechten Rand aktualisieren sich diese beiden Grafiken nicht…

Griechenland:

Index 10-jährige griechische Staatsanleihen (klicken für größere Darstellung)

Portugal:

Index 10-jährige portugiesische Staatsanleihen (klicken für größere Darstellung)


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